Aus Rüben entsteht mehr als nur Zucker



Die Zuckerrübe wird zur Gewinnung von Zucker angebaut. Die Schweizer Zucker AG stellt aber aus der „Königin der Ackerkulturen“ noch weitere Produkte her. Als Nebenprodukte entstehen Zuckerrübenschnitzel und Melasse sowie Pflanzenerde, Kalkdünger und Biogas. Durch die weitere Verarbeitung von Melasse und Schnitzeln werden seit kurzem Ethanol und Pektin hergestellt.

Jede Schweizer Zuckerrübe besteht aus 15 bis 20 Prozent Zucker. Die Gewinnung und Vermarktung dieses Zuckers in Form von Kristallzucker, Würfelzucker und Gelierzucker ist das Hauptgeschäft der Schweizer Zucker AG (SZU) mit ihren beiden Fabriken in Aarberg BE und Frauenfeld TG. 2021 wurden 229‘000 Tonnen Zucker aus Schweizer Rüben produziert. Bei der Zuckergewinnung entstehen aber diverse Nebenprodukte, welche in der Schweizer Zuckerproduktion ebenfalls sinnvoll verwertet und vermarktet werden:

Rübenschnitzel

Das Mengenmässig wichtigste Nebenprodukt sind die Zuckerrübenschnitzel. Also die gehäckselten Zuckerrüben, denen der Zucker entzogen worden ist. Aus 20‘000 Tonnen Rüben, die während der Kampagne täglich in den beiden Werken Aarberg und Frauenfeld verarbeitet werden, entstehen gemäss SZU 3000 Tonnen Pressschnitzel und knapp 300 Tonnen Trockenschnitzel. Vermischt mit der zuckerhaltigen Melasse werden die Rübenschnitzel frisch, siliert oder getrocknet vor allem in der Milchviehhaltung eingesetzt. Aber auch für Schweine, kleine Wiederkäuer und Pferde ist das energiereiche Futtermittel geeignet.

Melasse

Nach dem Einkochen des Zucker-Dicksaftes und dem mehrmaligen Zentrifugieren bleibt immer ein Rest übrig, aus dem kaum mehr Zucker gewonnen werden kann. Weil darin die Fremdstoffe gegenüber den Zuckerkristallen überwiegen, lässt sich der Restzucker nicht mehr kristallisieren. Das ist dann die Melasse. Aus den 20‘000 Tonnen Zuckerrüben, welche die SZU pro Kampagnen-Tag verarbeitet, entstehen gut 600 Tonnen Melasse. Diese wird hauptsächlich in Kombination mit den Rübenschnitzeln als Tierfutter vermarktet. Ein Teil davon wird an die Hefefabrik in Stettfurt TG geliefert, welche daraus Hefe herstellt. Melasse könnte auch direkt als Nahrungsmittel (z.B. Brotaufstrich) verwendet werden.

Ethanol

Seit Sommer 2022 produziert die SZU in Aarberg in Zusammenarbeit mit Alcosuisse Schweizer Ethanol. Bei der Weiterverarbeitung von Melasse entstehen gemäss Homepage der SZU zwei Produkte: CH11®, feinstes Trinkethanol für Spirituosen wie Gin, Absinth, etc.  und CH15®, hochreines GMP-Ethanol für Schweizer Heilmittel, Kosmetika und Spezialprodukte.

Pektin

Aus entzuckerten Rübenschnitzeln wird im Werk Frauenfeld Pektin gewonnen. Das „Swiss Beta Pectin“ ist laut SZU ein stabiler Emulgator, der sich für die Herstellung von Öl-in-Wasser-Emulsionen wie Mayonnaise, Salatdressings, Crèmes oder Kosmetika eignet. Im direkten Vergleich zu Eigelbpulver oder Gummi Arabicum überzeuge Zuckerrübenpektin mit gleich guter Funktionalität – bei signifikant reduzierter Dosierung, heisst es auf swissbetapectin.com. Das feine Pulver kann auch als Nahrungsfaserzugabe in Joghurt, Crèmes, Saucen oder Getränken eingesetzt werden.

Pflanzenerde

Aus der Erde, die den Zuckerrüben anhaftet, stellt die Firma Ricoter in Aarberg, eine Tochterfirma der SZU, Pflanzerden her. Zusammen mit Kompost, Rinde und Holzfasern entstehen verschiedenste Erden für den Gebrauch in Haus und Garten.

Ricokalk

In den Zuckerfabriken wird für die Reinigung des Zuckersafts Jurakalk verwendet. Aus diesem Kalk entsteht anschliessend der sehr feinkörnige Ricokalk, der als Kalkdünger in der Landwirtschaft und im Gemüsebau eingesetzt wird.

Biogas

Im Werk Frauenfeld wird bei der Abwasserreinigung Biogas erzeugt und in das öffentliche Biogasnetz eingespeist.

Zu den Umsätzen mit den verschiedenen Produkten macht die SZU auf Anfrage keine detaillierten Angaben. Gemäss Mediensprecher Raphael Wild könnten aus Zuckerrüben theoretisch noch weitere Produkte gewonnen werden, beispielsweise Cellulose. Neue Projekte im Zusammenhang mit der Gewinnung und Vermarktung von Nebenprodukten aus Zuckerrüben seien in Planung, aber noch nicht spruchreif, so Wild.


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