Bewässerung lohnt sich nur selten



Bisher wurden in der Schweiz kaum Zuckerrüben bewässert. Die Wildrübe stammt aus dem Mittelmeerraum und wächst auf sehr kargen, trockenen Standorten. Aber auch der gezüchteten Rübe reichen während der Vegetation (April bis September) 400 mm Niederschlag aus. Was aber, wenn sich trockene Sommer wie 2015 und 2018 häufen? Oder bereits nach der Saat im März/April Trockenheit herrscht, wie es in den letzten Jahren oft der Fall war? Untersuchungen im Labor und Erfahrungen aus Deutschland zeigen, dass bei Trockenheit wie 2018, der Zuckerertrag um rund 50% sinken kann im Vergleich zu einem optimalen Jahr. Doch lohnt sich eine Bewässerung?

Laut Samuel Jenni von der Schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenbau lohnt sich eine Bewässerung der Zuckerrüben nur selten. „Wenn, dann nur auf tonigen Böden mit gutem Rückhaltevermögen“, sagt er auf Anfrage. Er schätzt, dass in den trockenen Sommern 2015 und 2018 maximal 10 bis 15 % der Schweizer Zuckerrübenfläche bewässert wurden. Dies in erster Linie im Seeland und im Thurtal, wo Bewässerungsanlagen sowieso vorhanden sind für den Kartoffel- und Gemüseanbau. Pro künstliche Wassergabe (25-30 mm) rechne man unter hiesigen Verhältnissen mit 300 Fr./ha für Pumpe, Rolle, Diesel und Arbeit. „Das würde einen Mehrertrag von 6 t/ha bedingen um die Bewässerungskosten zu decken“, gibt der Fachstellenleiter zu bedenken.

Samuel Jenni: Das Bewässern von Rüben muss einen signifikanten Mehrertrag bringen

Winterfeuchte im Boden behalten

Auch Peter Mäder, Landwirt und Lohnunternehmer aus Fräschels FR sieht im Allgemeinen den finanziellen Nutzen einer Bewässerung in den Zuckerrüben nicht. Ein einziges Mal habe er in den vergangenen Jahren die Rüben bewässert und zwar im Frühling nach der Saat, um ein Vertrocknen der Keimlinge zu verhindern. Samuel Jenni rät, den Boden im Frühling nicht zu tief zu bearbeiten. Mit einer Mulchsaat behalte man rund 25 bis 30 mm Winterfeuchte im Boden, gegenüber der Saatbettbereitung mit dem Pflug oder Grubber. Zusätzlich liessen sich so noch Beiträge im „pfluglos“-Programm generieren. Doch wann ist die Zuckerrübe eigentlich am anfälligsten auf Trockenheitsstress?

Im Juni am anfälligsten

Zu Beginn des Sommers (bei uns im Juni, in Norddeutschland im Juli) – wächst die Zuckerrübe am meisten. Dann wirkt sich Trockenheitsstress am stärksten negativ auf den Ertrag aus. Das haben Henning Ebmeyer und Christa Hoffmann vom Institut für Zuckerrübenforschung in Göttingen (D) in einem Laborversuch aufgezeigt. Bekamen die Rüben zu diesem Zeitpunkt nur halb so viel Wasser, wie benötigt, sank der Zuckerertrag bei der Ernte der Rüben um 43% gegenüber der genügend bewässerten Kontrolle. Dieselbe Trockenheit im August liess den Ertrag im Laborversuch nur um 20% sinken. Das bestätigt Samuel Jenni von der Rübenfachstelle: „Im Hochsommer mit Temperaturen über 30°C stellt die Rübe ihr Wachstum praktisch ein.“ Da würde auch eine Bewässerung nicht mehr für viel Mehrertrag sorgen. Im Juni, wo die Rübe am meisten Wasser benötigt, haben wir in der Schweiz meist noch genügend Niederschlag.

In Norddeutschland ist Bewässern Standard

Anders ist die Situation in Norddeutschland. Für Jochen Meier, Landwirt und Strube-Berater in Nordost-Niedersachsen, ist die Bewässerung von Zuckerrüben Standard. Die leichten Sandböden in dieser Region mit durchschnittlich 600 bis 650 mm Jahresniederschlag stehen zum Teil schon seit über 50 Jahren unter Beregnung. Jeder Landwirt habe ein Wasserrecht, also Anrecht auf eine Bestimmte Menge Wasser pro Jahr, die er zum Bewässern einsetzen kann, erklärt Meier. Dieses Wasser gelte es möglichst sinnvoll auf die Hauptkulturen Kartoffeln, Getreide und Zuckerrüben zu verteilen. Bisher sei die Zuckerrübe wirtschaftlich am attraktivsten gewesen. Mit steigenden Preisen für Kartoffeln und Getreide und eher sinkenden Rübenpreisen, könnte sich aber die Priorisierung in der Bewässerung künftig auch verschieben, gibt der Landwirt zu bedenken. Insbesondere, da bei Kartoffeln und Getreide häufig Lieferverträge bestehen, die eingehalten werden müssen.

Für Jochen Meier ist Beregnungswasser ein Betriebsmittel wie andere, das er jedes jahr optimal einsetzen will.

Erste Gabe möglichst lange hinauszögern

Aufgrund der begrenzten Wasserrechte und aus Kostengründen ist es aber auch in Norddeutschland nicht möglich, in Trockenjahren die Rübe durchgängig über die gesamte Vegetationszeit zu beregnen. „Da die Rübe in der Lage ist, Wasser auch aus tieferen Schichten zu erschliessen, und zusätzlich ein sehr hohes Regenerationsvermögen nach Blattverlust besitzt, sollte man die erste Wassergabe möglichst lange hinauszögern“, weiss Meier aus Erfahrung. „Erst wenn die Blätter auch am Morgen platt am Boden liegen, sollte über den Einsatz der Beregnung nachgedacht werden.“ Dies sei bei etwa 30-40 % der nutzbaren Feldkapazität (nFk) der Fall. Die nFk sagt aus, wieviel Wasser ein Boden pflanzenverfügbar speichern kann.

Die Wassermenge pro Beregnungsgang sollte gemäss dem Strube-Berater bodenabhängig zwischen 30 und 35 mm, also 300 bis 350 m³ pro Hektare liegen. Auf leichten Böden sind kleinere Gaben sinnvoll, verkürzen aber gleichzeitig die Zeitintervalle zwischen den Beregnungsgängen. „Durchschnittlich waren in den letzten Jahren 3 bis 4 Durchgänge notwendig“, so Meier. So hätten die Erträge im Schnitt um 20% gesteigert werden können.

Was bringt der Klimawandel?

Wird mit dem Klimawandel eine Bewässerung der Rüben auch in der Schweiz zum Standard? Samuel Jenni von der Zuckerrübenfachstelle zweifelt, ob mehr Bewässerung auch finanziell Sinn macht. „In südlichen Regionen wie Griechenland, Spanien oder Italien sind die Rüben teilweise verschwunden, einfach weil sich Wassergaben nicht auszahlen oder schlichtweg Wasser gar nicht vorhanden ist, respektive für den Gemüsebau gebraucht wird“, weiss Jenni. Ähnliche Überlegungne könnten auch in der Schweiz eine Rolle spielen. In erster Priorität sind laut dem Fachstellenleiter Gemüse und Kartoffeln zu bewässern, Mais und Gras in 2. Priorität, Rübe, Sonnenblumen und Winterweizen in letzter Priorität.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.