Biorüben haben weniger Stress



Vereinfacht lässt sich sagen: Der Aufwand für die Unkrautbekämpfung entscheidet über Erfolg oder Misserfolg im Biozuckerrübenanbau. So drehte sich denn auch die Diskussion an der Flurbegehung am 31. August in den Kantonen Bern und Solothurn in erster Linie um diese Herausforderung. Mit welcher Bodenbearbeitung gibt es möglichst wenig Unkrautdruck? Wie tief sollen die Biorüben gesät werden damit man noch striegeln kann? Säen auf Endabstand oder vereinzeln? Fakt ist: Wer nicht mehr als rund 160 Stunden für die Unkrautbekämpfung aufwenden muss und einen durchschnittlichen Ertrag von 75 dt einfährt, kann mit Biorüben einen guten Stundenlohn verdienen.  

Langjährige Erfahrung im Anbau von Biozuckerrüben hat in der Schweiz kaum ein Landwirt. Entsprechend gross war das Bedürfnis der rund 20 Teilnehmenden des Flurgangs Biozuckerrüben Erkenntnisse auszutauschen. Organisiert wurde der Anlass vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), der Firma Brauen GmbH und der Fachstelle für Zuckerrübenanbau.

Markus Burkhard aus Staad bei Grenchen SO baut zum ersten Mal Biorüben an. Die 80 Aren grosse Parzelle, auf der nach Winterweizen eine Gründüngung stand, hat er Ende März mit einer Bodenfräse bearbeitet und gewalzt. Am 6. April hat er erneut gefräst und am selben Tag die Rübensorte Tesla gesät.

Dazu wirft Lohnunternehmer Ueli Brauen aus Suberg BE ein: „Biorübenpflanzer brauchen im Frühling viel Geduld! Wenn die konventionellen Rübenbauern säen, soll der Biolandwirt vorerst nur den Boden bearbeiten – und zwar mehrmals. Als Unkrautkur.“ Mit Säen solle man warten bis der Boden wirklich erwärmt sei und die Rüben so rasch auflaufen.

Beim Thema Vorfrucht sind sich alle einig, dass eine Gründüngung vor den Rüben ideal ist um das Unkraut zu unterdrücken.

Auf 5 cm Tiefe gesät

Weil es im Frühling 2020 so trocken war, hat Burkhard die Rüben auf 5 cm Tiefe gesät und ist sehr zufrieden mit dem Auflauf. Allgemein sollten Biorüben etwas tiefer gesät werden als konventionelle. So ist Blindstriegeln und später allenfalls auch das Striegeln der Pflanzen besser möglich, da sie tiefer verwurzelt sind.

Markus Burkhard hat 140 Arbeitsstunden für Unkrautbekämpfung und vereinzeln aufgewendet

Der Ackerbauer, der seinen viehlosen Betrieb seit drei Jahren biologisch bewirtschaftet, hat die Hälfte seiner Rüben auf 18 cm Endabstand gesät und die andere Hälfte auf 8 cm und danach vereinzelt. „Wir haben dann gejätet und vereinzelt in einem Durchgang und total rund 140 Arbeitsstunden aufgewendet für die 80 Aren.“

Lohnunternehmer Brauen ist begeistert von der Feldhälfte, die vereinzelt wurde. „Genau so soll eine Rübenparzelle aussehen!“. Wie es ertragsmässig aussieht will Burkhard bei der Ernte erheben. Der Aufwand für das Vereinzeln sei schon ein bisschen grösser gewesen, aber nicht markant.

Sehr gute Stundenlöhne möglich

Hansueli Dierauer vom FiBL (Merkblatt) hat ausgerechnet: Wendet man bei einem Ertrag von 75 dt Rüben 100 Arbeitsstunden für die Unkrautbekämpfung auf, hat man 100 Fr. Stundenlohn. Jeder Rübenpflanzer muss selber entscheiden, welchen Arbeitsaufwand er auf sich nehmen kann.

Michel Arn will seine Rüben nächstes Jahr zwischen Weizenzeilen säen

Michel Arn aus Büetigen BE, der nebst den Rüben viel Gemüse anbaut, sagt knallhart: „Ab 60 Stunden Handarbeit egge ich die Rüben aus. Das liegt bei mir nicht drin.“ Er setzt auf fräsen 10 Tage vor der Saat, 2 Mal blind striegeln und drei exakte Hackdurchgänge. Nächstes Jahr will er die Rüben zwischen Winterweizen-Zeilen säen (intercropping nennt man das).

Gesunder Boden – gesunde Pflanzen

Auffällig bei den besichtigten Biorübenparzellen ist, dass sie alle nur leicht von der virösen Vergilbung betroffen sind, die derzeit grossflächig grassiert. Und dies obwohl die Biobauern nichts gegen Blattläuse unternehmen können, die das Virus übertragen. Auch Cercospora-Blattflecken sind kaum vorhanden.

Die Biorüben von Markus Burkhard sind nur wenig von der Vergilbung betroffen.

Markus Burkhard, der früher konventioneller Rübenpflanzer war hat beobachtet: „Biorüben haben viel weniger Stress weil sie nicht ständig mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden. Das macht sie widerstandsfähiger gegen Krankheiten und Schädlinge.“

Zustimmendes Nicken unter den Biokollegen. Ihnen ist ebenfalls klar, dass in fruchtbarem Boden gesündere und stärkere Pflanzen wachsen. Eine optimale Bodenbearbeitung und –Struktur ist daher nicht nur im Biorübenanbau zentral.


Marktsituation

Der Schweizer Bio-Zuckerrübenanbau erlebt gerade eine Auferstehung. In den letzten rund 15 Jahren wurden schweizweit jährlich nur noch wenige Hektaren Bio-Zuckerrüben angebaut. 2017 hat sich eine Projektgruppe bestehend aus dem SVZ (Schweizerischer Verband der Zuckerrübenpflanzer), dem FiBL (Forschungsinstitut für biologischen Landbau), Coop und Bio Suisse zum Ziel gesetzt, wieder Schweizer Biozucker vermarkten zu können.

Das aktuelle Ziel sind 200 Hektaren Biorüben. 2019 betrug die Anbaufläche 116 Hektaren. Damit konnten Schweizer Biorüben erstmals getrennt von Import-Biorüben verarbeitet werden. Als Anreiz erhalten die Knospe-Rübenproduzenten eine Prämie von 30 Fr./t auf den Basispreis von 124 Fr./t. Für 2019 kommt damit ein Grundpreis von 154 Fr. pro Tonne Rüben zustande (ohne Zu- und Abschläge).


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