BLW-Vorschlag erntet Kritik



„Ganz auf Herbizide zu verzichten ist in den Rüben sehr anspruchsvoll“, sagt Daniel Würgler. Er versucht es daher mit einer Reduktion

Ende 2022 laufen die heute bekannten Ressourceneffizienzbeiträge (REB) im Zuckerrübenanbau aus. Aktuell ist das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) daran, ein Nachfolgeprogramm auszutüfteln. In der Vernehmlassung zur parlamentarischen Initiative „Das Risiko beim Einsatz von Pestiziden reduzieren“, hat das BLW einen Vorschlag gemacht, welche Massnahmen künftig mit Beiträgen entschädigt werden sollen. Für Andreas Keiser, Dozent an der Hochschule für Agrar- und Lebensmittelwissenschaften (Hafl) in Zollikofen BE ist dieser Vorschlag nicht zielführend. Zuckerrübenproduzent Daniel Würgler aus Frasses FR möchte gerne seinen Pflanzenschutzmitteleinsatz reduzieren, will sich aber nicht schon vor der Anbausaison in ein Programm zwängen lassen.

Heute kann ein Zuckerrübenproduzent, der den Pflanzenschutzmitteleinsatz in seinen Rüben reduzieren möchte, zwischen vier Massnahmen auswählen und erhält dafür 200 bis 800 Franken pro Massnahme und Hektare. Neu soll es neben dem Verzicht auf Fungizide und Insektizide (heutige Massnahme M4) nur noch eine Massnahme zur Herbizidreduktion geben. „Vorgesehen ist, dass wir die heutige Massnahme M1 übernehmen“, erklärt Laurent Nyffenegger vom BLW. „Dort ist die Beteiligung am besten.“ Die Massnahme schreibt vor, dass eine flächige Herbizidbehandlung vom Auflaufen der Unkräuter bis zum 4-Blatt-Stadium der Rüben erlaubt ist. Nach dem 4-Blatt-Stadium ist nur noch die Bandbehandlung in den Reihen erlaubt, zwischen den Reihen muss gehackt werden. „Entschieden ist aber noch nichts“, betont Nyffenegger. Man sei daran, die Antworten zur Vernehmlassung auszuwerten. Der Entscheid wird im Frühling 2022 erwartet.


Übersicht über die aktuellen Ressourceneffizienz-Programme des Bundes

Bandspritzung macht Sinn

Andreas Keiser von der HAFL kritisiert den Vorschlag des BLW. „Diese Massnahme führt nicht dazu, dass mehr Rüben gehackt und Herbizide eingespart werden“, sagt er. Nächstes Jahr würden wohl auf rund 50% der Rübenfläche Conviso-Rüben angebaut. Die chemische Unkrautbekämpfung wird hier sowieso im 4-Blatt-Stadium abgeschlossen. „Bleibt die Formulierung der Massnahme so, werden Flächenbeiträge ausbezahlt, ohne dass effektiv gehackt wird und Herbizide reduziert werden“, so Keiser. Ausserdem müssen die Massnahmen neu auf der ganzen Fläche der Kultur umgesetzt werden. Dies erhöht die Schwelle für eine Teilnahme an der Massnahme und verunmöglicht eine parzellenspezifische Bewirtschaftung.

Andreas Keiser, Dozent an der Hochschule für Agrar- und Lebensmittelwissenschaften, sieht in der Bandspritzung eine grosse Möglichkeit, Pflanzenschutzmittel zu reduzieren.

Gemäss Keiser sollte die heutige Massnahme M2 der REB weitergeführt und mit einem etwas höheren Beitrag als den heutigen 400 Fr./ha abgegolten werden. Bei dieser Massnahme sind nur Bandspritzen und Hacken erlaubt, keine Flächenbehandlung.

„Bandspritzung und Hacken ist für mich an vielen Standorten eine gute Massnahme, um Pflanzenschutzmittel zu reduzieren“, betont der Dozent für Ackerbau und Pflanzenzüchtung. Seiner Meinung nach sollten künftig auch Insektizide, wenn immer möglich, im Band gespritzt werden, solange die Rübenpflanzen noch klein sind. Damit liessen sich beispielsweise die Aufwandmengen bei der Erdflohbekämpfung um 80% reduzieren.

«Wollen wir diese Mittel auch in Zukunft noch zur Verfügung haben, müssen wir zeigen, dass wir es ernst meinen mit der Reduktion der Aufwandmengen, sagt Keiser. Ziel des Verordnungspaketes ist eine Reduktion der Risiken durch Pflanzenschutzmittel um 50% bis 2027 im Vergleich zum Mittel der Jahre 2012 bis 2015. Dazu braucht es aus Sicht von Keiser nicht einen Totalverzicht, sondern die Nutzung aktueller und neuer Technik zur gezielten Behandlung von Teilflächen oder Einzelpflanzen bis hin zu autonomen Robotern. „Solche Massnahmen sucht man in der Verordnung leider vergebens.“

„Ein Programm engt ein“

Daniel Würgler hat Mühe mit starren Programmen, die er zu Beginn der Anbausaison anmelden muss. „Bin ich einmal in einem Programm drin, ist die Gefahr da, dass ich nur noch das mache, was im Programm steht und nicht mehr das, was für die Kultur am besten wäre“, sagt der Landwirt und Agronom aus Frasses FR. Er würde lieber am Ende des Jahres angeben, wie er Pflanzenschutzmittel reduziert hat und dafür Beiträge. 2020 hat Würgler den Versuch gestartet, weniger Herbizide in den Zuckerrüben einzusetzen – ohne sich bei einem Programm anzumelden. Er hat auf einer von seinen vier Hektaren Rüben komplett auf Herbizide verzichtet. Zusammen mit drei Partnern hat er einen Striegel und ein kameragesteuertes Hackgerät für eine Saison gemietet. Weiter haben sie Maschinen getestet und besichtigt.

„Die Herausforderungen bei einem kompletten Verzicht auf Herbizide sind sehr gross“, so sein Fazit. „Denn bis die Rüben gross genug zum Hacken sind, sind die Unkräuter ebenfalls bereits gross.“ 2021 hat er es statt mit einem Verzicht mit einer Herbizid-Reduktion versucht und dafür auf die Conviso-Sorte gewechselt. Nach der ersten Splitbehandlung (halbe Dosis) hat er die Rüben gehackt und anschliessend hat er die Hälfte seiner Zuckerrübenfläche vor Reihenschluss noch einmal mit dem halben Split gespritzt, die andere Hälfte der Fläche hat er nicht mehr gespritzt. „Das hat gut geklappt. 2022 will ich versuchen, noch eine grössere Fläche nur einmal zu spritzen.“

Daniel Würgler, Zuckerrübenpflanzer aus Frasses FR, hat in einen Fendt-Geräteträger mit Hackgerät investiert, um den Herbizideinsatz in seinen Rüben zu senken.

Mittlerweile hat Würgler in einen Fendt-Geräteträger mit einem 3-Meter-Hackgerät investiert. Das kameragesteuerte Hackgerät hat ihn nicht überzeugt: „Je nach Sonnenstand und Schattenwurf gab es Aussetzer bei der Kamera und ein paar Meter Rüben waren weg. Ausserdem sind die Herausforderungen zum Einstellen sehr gross. Ich könnte das nicht einen Angestellten machen lassen.“ Nicht zuletzt haben ihn auch die Kosten und das hohe Gewicht abgeschreckt.

Beitragsprogramme überdenken

Das Beispiel des Betriebs Würgler zeigt, dass die Schweizer Landwirte durchaus motiviert sind, den Pflanzenschutzmitteleinsatz auf ihren Betrieben zu reduzieren. Es stellt sich die Frage, ob die bisherigen Beitrags-Programme der richtige Weg sind um diese Motivation zu unterstützen, oder ob es allenfalls neue, flexiblere Modelle bräuchte.


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