Die Fabrik will näher zu den Pflanzern rücken



Mit einem neu geschaffenen Arbeitsteam will die Schweizer Zucker AG die Verbindung zur Landwirtschaft stärken und erreichen, dass die Rübenfläche wieder ausgedehnt wird. Seit September 2020 leitet Simon Krähenbühl den „Aussendienst Landwirtschaft“, wie die Team-Funktion offiziell genannt wird. Rafael Seeh ist zuständig für die Pflanzer in der Ostschweiz, Olivier Pasche für die Westschweiz. Alle drei sind zu je 60 % für den landwirtschaftlichen Aussendienst der Schweizer Zucker AG tätig. Im Interview spricht der Landwirt und Agrotechniker Krähenbühl über seine Funktion, Ideen zur Flächensteigerung und aktuelle Herausforderungen.

Weshalb braucht es dieses neue Aussendienst-Team?

Simon Krähenbühl: Mit dem neuen Aussendienst Landwirtschaft will die Schweizer Zucker AG eine stärkere Verbindung zu den Pflanzern schaffen und den Austausch mit ihnen fördern. Die Landwirte können auf uns zu kommen, wenn sie Fragen bezüglich der Anbauverträge oder der Abrechnung haben. Für anbautechnische Fragen ist aber nach wie vor die Zuckerrübenfachstelle da. Wir pflegen auch aktiv den Kontakt zu den Pflanzern indem wir an Flurbegehungen teilnehmen und solche auch selber organisieren. Das Hauptziel ist, dass die Anbaubereitschaft für Zuckerrüben langfristig wieder steigt. Wir wollen verlorene Pflanzer zurückholen und Neupflanzer finden. Auch eine Aufgabe von unserem Aussendienst ist die Vermarktung unserer Nebenprodukte, wie  Zuckerrübenschnitzel und Kalk von Ricoter an die Landwirte.

Bisher haben sich die Pflanzer mit Fragen zur Abrechnung an das Rübenbüro wenden können. Gibt es das nicht mehr?

Doch, doch. Aber die Zuckerfabrik hat gemerkt, dass es Ansprechpartner braucht, die näher an den Pflanzern sind und sich für gewisse Fragen auch mehr Zeit nehmen können. Im Gegensatz zum Rübenbüro können wir auch einmal persönlich bei einem Landwirt vorbei gehen und offene Fragen oder Missverständnisse klären. In der heutigen Zeit mit neuen Krankheitsproblemen, politischem Gegenwind und tiefen Rübenpreisen ist der Austausch mit unseren Produzenten wichtiger denn je.

Ihr versucht also einerseits, die bestehenden Pflanzer zu behalten. Unternehmt ihr auch etwas um Neupflanzer anzusprechen?

Ja, da haben wir diverse Projekte am Laufen. Zum Beispiel unterstützt die Schweizer Zucker AG dieses Jahr die Versuche, Bio-Rüben zu pflanzen, statt zu säen. Das ermöglicht den Bio-Landwirten, die Stunden für das manuelle Jäten zu senken und so ihre Anbaufläche auszudehnen. Ein weiteres Projekt ist das Decken von Rübenmieten. Wer schwere oder steinige Böden hat, wird als Rübenproduzent abgestraft mit Abzügen beim Fremdbesatz. Wenn wir die Rübenfläche ausdehnen wollen, müssen wir auch Landwirten in solchen Gebieten die Möglichkeit zum rentablen Rübenanbau geben. Wir organisieren daher künftig in gewissen Regionen einen Service zum Decken der Rübenmieten. Das kostet den Pflanzer zwar etwas, nimmt ihm aber die Arbeit ab, und wir können das Maximum tun, um den Fremdbesatz im Rahmen zu halten. Weiter kontaktieren wir gezielt Futterrübenpflanzer. Diese haben das Know-how für den Zuckerrübenanbau und können im Gegenzug in Form von Trockenschnitzel ein hochwertiges Futter beziehen. Das stösst auf ein ziemlich gutes Echo. Allgemein hätte der Zuckerrübenanbau in Randgebieten wie dem unteren Emmental, dem Freiburgerland oder der Innerschweiz viel Potenzial. Auch weil dort der Krankheitsdruck tief ist.

Gibt es bereits Resultate eurer Arbeit? Nimmt die Rübenfläche wieder zu?

Uns gibt es seit Herbst 2020, was zu knapp ist, um einen Effekt auf das Jahr 2021 festzustellen. Das vergangene Jahr mit den extremen Schäden durch die viröse Vergilbung in der Westschweiz hat uns dabei auch nicht geholfen. Die Diskussionen um Verbote von  bestimmten Pflanzenschutzmitteln letzten Winter und die Abstimmung über die beiden Agrar-Initiativen im Juni 2021 wirkten sich ebenfalls negativ auf die Anbaubereitschaft aus. Nun sieht es wieder etwas freundlicher aus am Rübenhorizont: Die Initiativen wurden abgelehnt, die Blattläuse und damit die Vergilbungsviren hatte man dieses Jahr gut im Griff – bis leider der Hagel und die Überschwemmungen kamen – und die Rübenpreise in der EU sind sich auch etwas am erholen. Deshalb hoffen wir auf einen Flächenzuwachs im 2022. Insbesondere bemühen wir uns aktiv darum, dass die zahlreichen Pflanzer, die 2021 mit dem Rübenanbau ausgesetzt haben, wieder zurückkommen. Noch ist es aber zu früh für konkrete Zahlen. Viele Pflanzer warten auf die Branchenvereinbarung, bis sie den Anbauvertrag unterzeichnen.

Normalerweise wird doch die Branchenvereinbarung, in der unter anderem die Richtpreise für das nächste Rübenjahr festgelegt werden, Ende Juli herausgegeben. Weshalb dauert es dieses Jahr länger?

Um die Richtpreise 2022 festlegen zu können, müsste die Interprofession Zucker die politischen Rahmenbedingungen für das nächste Jahr kennen. Nun ist aber der Entscheid über den Grenzschutz und den Einzelkulturbeitrag im Parlament vertagt worden und wird erst in der Herbstsession Mitte September behandelt. Die Interprofession hat aber bereits angekündigt, dass der Richtpreis mindestens auf Vorjahresniveau beibehalten wird.

Ein höherer Rübenpreis würde sicher helfen, dass die Anbaufläche wieder zunimmt. Was können die Pflanzer da erwarten?

Man darf keine Wunder erwarten. Auch wenn die internationalen Rübenpreise wieder etwas steigen, bedeutet das nicht automatisch auch eine sofortige Erholung für den Schweizer Preis. Die Schweizer Zucker AG hat den Preis in den letzten Jahren stark gestützt, indem Reserven aufgelöst wurden. Ein noch viel grösserer Effekt hätte die Ausdehnung der Rübenanbaufläche. So könnten die Fixkosten auf mehr Tonnen Zucker verteilt werden und der Preis würde sich schneller erholen. Zum Glück sehen viele Pflanzer diese Zusammenhänge und haben Verständnis für die Lage der Zuckerbranche.

Was ist Deine Werbebotschaft für den Anbau von Zuckerrüben?

Die Zuckerrübe ist nach wie vor eine der finanziell attraktivsten Ackerkulturen. Auch wenn wir preislich nicht mehr dort sind, wo wir einmal waren, sind Rüben nach Kartoffeln immer noch am rentabelsten. Weiter ist der Rübenanbau mit neuen Sortenzüchtungen bezüglich Unkrautbekämpfung viel einfacher und ökologischer geworden. Das ist insbesondere ein Argument für Neupflanzer oder Pflanzer mit grossem Unkrautdruck. Dank der tiefen Durchwurzelung des Bodens ist die Rübe interessant für die Fruchtfolge. Bei all den Negativmeldungen über verlorene Flächen darf man nicht vergessen, dass sich letztes Jahr rund 50 Neupflanzer angemeldet haben, die sehr zufrieden sind mit der neuen Kultur.


Zur Person: Simon Krähenbühl ist gelernter Landwirt und Agrotechniker. Der 34-jährige bewirtschaftet nebst seinem 60%-Pensum für die Schweizer Zucker AG mit seiner Familie einen Betrieb in einer Betriebsgemeinschaft in Detligen BE. Dort werden gut 5 Hektaren Zuckerrüben angebaut.



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