„Die Saat ist das Wichtigste im Zuckerrübenanbau“



Der Zuckerrübenanbau hat Tradition auf dem Betrieb der Betriebsgemeinschaft Löhr (BG Löhr) in Seedorf BE. Schliesslich liegt der Betrieb auch nur rund einen Kilometer entfernt von der Zuckerfabrik Aarberg. „Wir waren sehr leidenschaftliche Pflanzer“, sagt Martin Uhlmann. Leider sei der Zuckerrübenbau nicht mehr das, was er einmal war.

Gesunkene Rübenpreise und neue Krankheiten machen den Pflanzern zu schaffen. Doch für Uhlmann ist klar: „Wir wollen am Zuckerrübenanbau festhalten. Denn wenn dieser in der Schweiz verschwindet, gibt es Angebots- und Preisdruck in den anderen Kulturen.“

Im Gespräch ist die Leidenschaft für die Rüben spürbar. Von der extra ausgewählten Gründüngung vor den Rüben, über den Saatzeitpunkt, die Saatmethode und die Düngung bis zur Pflanzenschutzstrategie ­– nichts wird dem Zufall überlassen und ist über Jahre erprobt worden.

Das hält Martin Uhlmann und Ernst Bangerter, die ihre Betriebe als BG führen, jedoch nicht ab, neue Wege zu gehen und heuer die Rüben erstmals nach IP-Suisse-Richtlinien anzubauen. „Ich konnte mir etwas anderes als einen intensiven Rübenanbau bisher nicht vorstellen“, so Uhlmann. Aber der IP-Suisse-Anbau ohne Insektizide und Fungizide gebe zusammen mit den Beiträgen bei einem normalen Rübenertrag immerhin 1000 Fr./ha mehr Erlös.

Frühling 2020 bot Herausforderungen

Der Start in den Labelanbau war in diesem Frühjahr allerdings bereits eine ziemliche Nervenprobe. Der Blattlausbefall in den Rüben war wie vielerorts enorm und die BG-Partner haben über einen Ausstieg aus dem IPS-Anbau diskutiert. Schliesslich haben sie durchgehalten und die Rüben stehen nun wieder gut da.

Das war aber nicht der einzige Stolperstein im bisherigen Rübenjahr 2020 der BG Löhr. „Bereits vor der Saat hat uns eine neue Situation Kopfzerbrechen bereitet“, erzählt Uhlmann. Die Raddish-Gründüngung, die faustgrosse Rüben bildet und damit den Boden gut lockert, fror im milden Winter nicht ab und die Raddish-Rüben waren zum Zeitpunkt der Zuckerrübensaat noch beinahe vollständig im Boden vorhanden.

„Normalerweise erfriert diese Gründüngung und verschwindet fast komplett, so dass sich der Boden im Frühling rasch erwärmen kann“, so der 53-jährige. Die Raddish-Rüben haben dann zu einer ungleichmässigen Saattiefe geführt. Dazu kam anschliessend noch die Trockenheit im April, die die Rüben gestaffelt auflaufen liess. „Wir werden aber diesen Sommer nach dem Weizen noch einmal die Raddish-Gründüngung säen und hoffen auf einen kälteren Winter.“


Die abfrierende Raddish-Gründüngung hinterlässt regelrechte Löcher im Boden

„Ich empfehle Direktsaat“

Die Saat ist für Uhlmann das Zentrale am Zuckerrübenanbau. „Nach der Getreideernte säen wir die Gründüngung schon jahrelang direkt mit einem Grubber und aufgebautem Sägerät. Das ergibt ein grobes Saatbeet, welches weniger verschlämmt. Zudem ist die Befahrbarkeit des Bodens viel besser und der kapillare Wasseraufstieg bei Trockenheit wird nicht unterbrochen durch die Bodenbearbeitung.

In die abgefrorene Gründünung werden dann die Rüben im darauffolgenden Frühjahr ohne Bodenbearbeitung direkt gesät. Bis vor zwei Jahren haben Uhlmann und Bangerter ihre Rüben immer so früh wie möglich – ­zum Teil bereits Ende Februar – gesät. „Damit sind die Rüben besser gegen die Frühlingstrockenheit gewappnet und robuster gegen Sonnenbrand“, erklärt der Ackerbauprofi.

Seit es allerdings die Gaucho-Beizung des Saatguts nicht mehr gibt, sät die BG Löhr nicht mehr ganz so früh, da es jetzt umso wichtiger ist, dass die Rüben Schädlingen wie dem Erdfloh sofort davon wachsen können.

Richtig umgehen mit Conviso-Rübe

Die BG Löhr hat heuer zum zweiten Mal die Rübensorte Conviso gesät. Diese Sorte weise eine gute Blattgesundheit auf und ist tolerant gegenüber Herbiziden mit dem Wirkstoff Sulfonylharnstoff. „Man muss einfach penibel darauf achten, dass alle Schosserrüben entfernt werden, sonst hat man in den Folgekulturen ein grosses Problem“, mahnt Uhlmann. Auch die geköpften Rübenköpfe könnten nach einem milden Winter ausschlagen und je nach Folgekultur zum Problem werden.


Die Rübensorte Conviso ist tolerant gegenüber Sulfonylharnstoff

Zur Unkrautbekämpfung spritzt Uhlmann zwei Mal Sulfonylharnstoff auf die Fläche. Gegen Cercospora-Blattflecken kann er nun im Labelanbau nicht mehr mit Chemie eingreifen. Er spritzt aber den Bioaktivator „Sol Tonic“  der eine vorbeugende Wirkung gegen den Pilz haben soll. Die Rüben erhalten bei Uhlmann und Bangerter total rund 60 bis 70 Einheiten Stickstoff.

Zur Saat 24 Einheiten N und wasserlöslichen Phosphor. Danach noch 48 Einheiten Ammonsalpeter und eine Blattdüngung mit Bor. „Je mehr Stickstoff man gibt, desto tiefer fallen die Zuckergehalte aus“, weiss Uhlmann.

„Es braucht einen Grenzschutz“

Die aktuelle Situation auf dem Zuckermarkt bereitet dem Zuckerrübenproduzenten Sorgen: „Die untere Grenze beim Rübenpreis ist für mich definitiv erreicht. Tiefer darf er nicht mehr sinken.“ Er sieht das Hauptproblem beim Grenzschutz: „Diesen braucht es für einen anständigen Inlandzuckerpreis.“ In der Schweiz sei alles teurer und auch die Löhne seien höher. „Dann darf auch der Zucker etwas teurer sein als im Ausland.“ Uhlmann wünscht sich von der Zuckerfabrik ein vermehrtes „Miteinander“. Denn: „Wir sitzen alle im gleichen Boot. Wenn wir die Fabriken einmal abstellen, dann werden sie nie mehr produzieren.“

Betriebsspiegel:

Betriebs- und Fruchtfolgegemeinschaft Löhr in Seedorf BE.

Mitarbeiter: Betriebsleiter Martin Uhlmann und Ernst Bangerter, Familie Roth, Tagelöhner.

Fläche: 82 ha LN

Kulturen: 12 ha Zuckerrüben, Kartoffeln, Winterweizen, Wintergerste, Mais, Winter- und Sommerzwiebeln, Buschbohnen, Lagerkarotten, gedeckte Karotten,

Pflaumenanlage

Tiere: 14 Mutterkühe, 80 Mastmuni, 24 Milchkühe der Familie Roth

Lohnbetrieb mit drei Kartoffelvollerntern


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