Das Drumherum zählt auch.



Ihren Milchwirtschafts- und Ackerbaubetrieb mit Schweinemast und Pensionspferdehaltung in der Nähe von Thun führen Andreas Steffen und Martin Beyeler seit 2001 in einer Betriebsgemeinschaft (BG BEST).

Wir stehen zusammen auf der Rübenparzelle und Res sagt: «Auf dem Betrieb werden seit Generationen Rüben angebaut. Mein Vater hat mich motiviert, nach meinen Ideen zu wirtschaften. Er hat nie gesagt, mach das nicht».

Getrennt von der BG führt Res mit zwei Teilhabern zudem einen Lohnbetrieb, die ACM Agrar und Handel GmbH. Zusammen mit seiner Frau Maria bieten Steffens auch einen Kriseninterventions- und Therapieplatz an. Ohne seine Partnerin, die eine wichtige Rolle spiele, wäre so ein Betrieb gar nicht möglich, lässt er durchblicken.

Res Steffen macht auch klar: «Ich gebe Vollgas und bin mit Herzblut dabei, denn ich will gesunde Nahrungsmittel produzieren, das ist mein Beruf». Und fügt an: «Wenn du Zeit hast, zeige ich dir nachher noch den Stall». Warum denn das, frag ich mich, und signalisiere als Kuhfan: «Klar, das sehe ich mir gerne an».

Die Methode

Die Zuckerrüben macht er bisher auf Grasland, weil die Wiese als Vorkultur besser einen nassen Herbst übersteht und weil die Herbstweide für die Rinder die gleiche Fläche benötig wie seine Zuckerquote.

Die Kunstwiese gibt jeweils den einzigen Schlag für die Zuckerrüben, und das vereinfacht wiederum den Anbau der Rüben. Eine Kultur, ein System. Allerdings muss er bald umstellen, da die notwendige Bekämpfung der Erdschnakenlarven ab nächstes Jahr nicht mehr erlaubt sei. Die bevorstehende Umstellung der Fruchtfolge wird ihm nicht leichtfallen, weil alles so gut eingespielt ist.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt für ihn in der Bodenbearbeitung und dem Pflanzenschutz. Damit die Saat optimal vorbereitet werden kann, benutzt Res Steffen den Pflug. Danach kommt die Walze mit Gewicht, damit ein vorzeitiges Austrocknen verhindert werden kann. Nicht zu grob und nicht zu fein soll das Saatbett sein. Das gelingt am besten mit der Kreiselegge und Packerwalze. Sind die Rüben nach der Saat gut gestartet und die Reihen geschlossen, beginnt die Kontrolle der Blattgesundheit.

Wenn der Infektionsdruck steigt, schaut sich Res seine Zuckerrüben täglich an, um im richtigen Zeitpunkt die Massnahme setzen zu können. Da lässt er nichts anbrennen: «Keine Sitzung und kein Telefonanruf hält mich vom optimalen Behandlungszeitpunkt ab». Dieses Jahr möchte er, wenn es die Situation erlaubt, eine Behandlung einsparen.

Die Herausforderung

Ihn reizt der Rübenanbau, weil es eine interessante und fordernde Kultur ist. «Die Rübe ist die Königin der Ackerfrüchte, gleich wie die Luzerne im Futterbau», sagt Res und lächelt.

Klar, sind Rüben immer noch interessant, wenn man die Kosten im Griff hat. Insbesondere beim Pflanzenschutz. Aber auch die Kosten für die Saat und Ernte durch den Lohnunternehmer muss man im Auge behalten.

Zu der Wertschöpfung der Zuckerrüben gehört für ihn zwingend die eigene Transportleistung dazu. Beim Silomais beispielsweise liegt hier ein Vorteil, weil er bei der Kultur die gesamte Wertschöpfung von der Saat bis zur Verwertung auf dem Betrieb behalten kann.

Schaut man sich den Stundenlohn an, sieht es beim Weizen etwas besser aus. Dafür punkten die Zuckerrüben nach Kartoffeln mit dem höchsten Deckungsbeitrag pro Hektar. Rüben hacken könnte eine Option werden, doch die Maschinen sind noch zu treuer.

Der Austausch

Etwas nüchtern beschreibt er die Zusammenarbeit und den fachlichen Austausch unter Kollegen. Landwirte, die den Erfolg der Zuckerrüben noch selbst verantworten, müsse man leider suchen. Das macht ihm zunehmend Sorgen.

Das Beratungsangebot der Zuckerfabrik kennt Res Steffen, aber der Austausch mit den Kollegen ersetzt das nicht. Freundlicherweise macht er mir Mut, dass mit diesem Blog vielleicht die Gelegenheit entstehe, mit solchen Kollegen ins Gespräch zu kommen, die er sonst nicht treffen würde.

Der Aufruf

Den Berufskollegen rät er, zur Verarbeitung der Zuckerrüben in der Schweiz Sorge zu tragen. Rüben importieren mache doch keinen Sinn, meint Steffen. Hier biete sich den Bauern die Chance, etwas zum Inlandanteil der Nahrungsmittelproduktion beizutragen.

Die Politik sei aufgefordert, die Rahmenbedingungen weiterhin so zu gestalten, dass die Zuckerrübenverarbeitung in der Schweiz erhalten werde.

Nach seinen Wünschen für die Branche gefragt, wird nochmals klar, wie das Selbstverständnis des Berufsmanns Res Steffen aussieht. Der Rückhalt durch die Politik sei wichtig, aber auch der Zucker im Laden dürfe etwas mehr kosten. Damit stünde einer angemessenen Abgeltung für das Produkt bei gleichzeitiger Reduktion der Subventionen nichts mehr im Wege.

Zu guter Letzt sei die Züchtung gefordert, die Sorten für den zukünftigen für den künftigen Anbau weiterzuentwickeln und ich nicke heftig.

Der Melkroboter


Dank des Melkroboters wurde die Arbeitsorganisation viel flexibler.

Dann will er mir noch etwas zeigen und lotst mich in den Milchstall. Jetzt kommt Martin Beyeler als Verantwortlicher für die Tierhaltung zu Wort und erklärt mir den Melkroboter: «Jede Kuh bestimmt ihren eigenen Melkzyklus, das steigert das Tierwohl und sie gibt sogar noch mehr Milch».

Erst kürzlich haben die Beiden diesen Roboter der neusten Generation installiert, damit die Milchproduktion effizienter und die Arbeit flexibler wird. Damit sind wir bei dem Punkt angelangt, den mir Res zeigen will: «Unseren Betrieb konnten wir nur darum so weit ausbauen, weil wir stets bemüht sind, das Gesamte, also die Wirtschaftlichkeit und das Drumherum, im Auge zu behalten».

So wie es Beyeler & Steffen in der Milchproduktion halten, gehen sie auch im Zuckerrübenanbau zu Werk – und das wollen sie so beibehalten.


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