Hagel trifft 2800 Hektaren Rüben



Landwirt Adrian Hauert mit Tochter Sarina.

Die Schweizerische Hagelversicherung hat vom 18. bis zum 30. Juni 2021 über 700 Schadensmeldungen an Zuckerrüben erhalten. Gemäss Esther Böhler, Mediensprecherin von Schweizer Hagel, sind 2800 Hektaren Rüben betroffen. Das entspricht rund 17 Prozent der gesamten Rübenfläche in der Schweiz. Einer der betroffenen Pflanzer ist Adrian Hauert aus Wengi b. Büren BE. Am 28. Juni hat ein Hagelzug 2 seiner 8 Hektaren Zuckerrüben schwer und 6 Hektaren etwas weniger schwer beschädigt.

Verhagelte Rübenparzelle der Familie Hauert direkt nach dem Hagelzug vom 28. Juni

„Die Hagelkörner waren nicht riesig, etwa so gross wie zwei Erbsen zusammen“, beschreibt Adrian Hauert, Landwirt aus Wengi, das Unwetter Ende Juni in seiner Region. „Aber es hat eine Viertelstunde lang nur gehagelt. Alles war weiss.“ Das Ergebnis: Die Getreidekörner sind fast vollständig aus den Ähren geschlagen, der Mais umgeknickt, das Gras zerschlagen, die Kartoffeln ohne Blätter und auch bei den Zuckerrüben blieb kaum Laub an den Rüben.

Die Experten der Hagelversicherung haben die 2 Hektaren stark geschädigte Zuckerrüben von Familie Hauert am 9. Juli mit 90 Prozent Blattverlust abgeschätzt. „Es tut weh, das zu sehen“, sagt Hauert. „Wir haben viel investiert in die Rüben, haben 3 Mal Insektizid gespritzt gegen die Blattläuse. Sie standen schön da.“

Klar, die Versicherung entschädige einen Teil des Schadens, aber sicher nicht alles. Wieviel es genau gibt, wird sich erst im Herbst zeigen, wenn die Rüben noch einmal von der Hagelversicherung beurteilt werden.

Juli-Hagel ist am schlimmsten

Die Rüben treiben nun wieder aus. Bereits hat es laut Hauert frische Blätter am Kopf. Damit kann die Rübe bis im Herbst noch wachsen und Zucker einlagern, aber die Ertragseinbusse wird beträchtlich sein.

Hagelsimulationsversuche des Zuckerrüben-Züchtungsunternehmens Strube haben gezeigt, dass Hagelereignisse im Juli in der Regel zu den stärksten Ertragsverlusten führen. Die Hagelsimulations-„HASI“-Maschine besteht aus einem Benzinmotor, der eine Welle antreibt. An der Welle sind kleine Gewichte an Stahlseilen befestigt, die durch den Pflanzenbestand schlagen. Der Rahmen der Maschine wird auf eigenen Rädern von einem Traktor durch den Pflanzenbestand gezogen. Mit der Fahrgeschwindigkeit, der Einstellhöhe und der Drehfrequenz der Welle können verschiedene Hagelintensitäten simuliert werden.

Hasi-Versuche von Strube

Tobias Bokeloh von Strube ist verantwortlich für die Versuche. Er betont: „Die Versuchsergebnisse stammen aus Niedersachsen DE und sind nicht eins zu eins auf andere Orte übertragbar.“ Aber die grobe Aussage, dass die Ertragsverluste nach Hagel im Juni kleiner sind, als nach Hagel im Juli, stimme im Allgemeinen gut. Hagelt es im Juni, haben die Rüben bis im Herbst länger Zeit, den Schaden zu kompensieren. Nach Hagel im Juli geht die starke Blattneubildung zu Lasten des Rübenkörperwachstums. Werden die Rüben im August verhagelt, treiben sie weniger stark wieder aus, verlieren aber für die Blattneubildung viel Zucker. Der bereits grosse Rübenkörper verhindert aber einen allzu hohen Zuckerertragsverlust. Eine entscheidende Rolle spielt gemäss Bokeloh aber auch die Witterung. In einem trockenen Sommer können die verhagelten Rüben den Schaden weniger gut kompensieren, als mit genügend Bodenfeuchtigkeit.

Hasi im Einsatz, Foto T. Bokeloh

Dass Rüben so empflindlich auf Blattzerstörungen reagieren, ist zu einem Teil auch auf die Züchtung zurück zu führen. In den letzten Jahrzehnten hat das Verhältnis Blattmasse zu Rübenkörpermasse immer mehr abgenommen. Die Rüben verfügen also über weniger Blattmasse bei grösseren Rübenkörpern oder wie es Bokeloh formuliert: „Immer weniger Blatt muss immer mehr leisten.“

5 bis 25 Prozent weniger Zuckerertrag

In den Strube-Versuchen wurden die Versuchsflächen so „verhagelt“, dass einmal 40 Prozent der Blätter und einmal 70 Prozent der Blätter zerstört wurden. Fand dieser „Hagel“ im Juni statt, betrug der Zuckerertragsverlust im Herbst 11,8 (bei 40% Blattverlust)  respektive 17,7 Prozent (bei 70 % Blattverlust) gegenüber der Kontrollfläche ohne Hagel. Bei simuliertem Hagel im Juli wurde der bereinigte Zuckerertrag um 21,7 respektive 23 Prozent reduziert und bei Hagel im August um 11,9 respektive 12,9 Prozent. Bokeloh folgert, dass Hagelschäden in Zuckerrüben in den meisten Fällen Zuckerertragsverluste von 5 bis 25 Prozent verursachen. In extremen Einzelfällen seien aber auch 35 Prozent und mehr möglich. Das Hagelereignis in Wengi mit 90 Prozent Blattverlust in den Zuckerrüben fällt leider in die Kategorie extrem.


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