Herbizidreduktion mit Bandspritzen und Hacken



Für einmal muten wir Ihnen, geschätzte Leser, einen etwas längeren Artikel zu, als Sie es in unserem Blog gewohnt sind.

Um was geht es?

Aktuell stehen herbizidtolerante Zuckerrübensorten als mögliches Anbausystem zur Herbizid-reduktion im Angebot der Schweizer Zucker AG. Zuweilen geht dabei vergessen, dass auch mit weiteren Anbausystemen Herbizid eingespart werden kann.

Die Herbizidreduktion funktioniert nämlich sehr gut beim Anbau von konventionellen Sorten und dem Einsatz von Hacken und Bandspritzen, wie die Erfahrung zeigt. Und schlägt gleich zwei Fliegen auf einen Streich: Der Landwirt reduziert den chemischen Pflanzenschutz und kann gleichzeitig von der Vielfalt der zur Verfügung stehenden Sorten profitieren.  Insbesondere auch von Sorten mit Ertragsvorteilen bei SBR Befall.

Zum Inhalt

Neben der Entfernung von Unkraut verbessert das mechanische Verfahren die Nährstoffmineralisierung und die mikrobielle Aktivität. Für die Zuckerrübe bedeutet das eine höhere Verfügbarkeit von Stickstoff und Wasser.

Entsprechende Programme vom Bund und einigen Kantonen versuchen, die Bestrebungen nach mehr mechanischer Unkrautregulierung zu unterstützen. Auch das Label Programm IP- Suisse, welches 20 Prozent Anteil am Zuckerrübenanbau hält, empfiehlt in ihren Richtlinien nach Möglichkeit die mechanische Unkrautbekämpfung anzuwenden, auch in Verbindung mit Bandspritzen (ohne PSM mit besonderem Risiko des BLW, Version 1. Januar 2020).

Kurz gesagt: Herbizidtolerante Sorten stellen eine hervorragende Möglichkeit zur Herbizidreduktion dar, aber nicht für Regionen mit SBR-Befall. Hier sind Alternativen mit Spezialsorten sinnvoll.

Erfahrungen aus der Praxis

Schon heute gibt es einige vielversprechende Beispiele, wie Landwirte ihre mechanische Unkrautbekämpfung individuell auf ihrem Betrieb anpassen und weiterentwickeln können (s. auch Porträts Daniel Würgler, Frasses).

Hier stellen wir die Erfahrung des Lohnunternehmers Ueli Brauen aus Suberg vor. Er wendet seit einigen Jahren das Anbauverfahren Hacke mit Bandspritze an.  «Die mechanischen Unkrautregulierung, betont er, fängt aber schon bei dem Saatbeet und der richtigen Aussaat an.»  Insbesondere auf schweren Böden muss im Winter gepflügt und auch geeggt werden, damit sich das Saatbett gut absetzen kann. Im Frühling darf keine Bodenlockerung mehr stattfinden.

Einen bedeutenden Beitrag zur erfolgreichen Unkrautkontrolle liefern Präzisions-Hackgeräte. Das von der Brauen GmbH verwendet Carré-Hackgerät ist ideal im vorliegenden Fall ideal. Es arbeitet sehr genau anhand von

  • GPS-Daten von der Sämaschine und dem RTK-Signal oder
  • vom Traktor aus gelenkt, bei fehlenden GPS-Daten

Das Hackgerät verfügt über einen Verschieberahmen, um präzise zwischen den Reihen hacken zu können. Der Verschieberahmen wird über Kameras gesteuert, welche die Zuckerrübenreihen erkennen. Dadurch arbeitet die Maschine sehr schonend. Das Gerät lässt aber auch die manuelle Steuerung zu.

Zusätzlich verfügt das Hackgerät über eine spezielle Anordnung der Werkzeuge, welche uns Ueli Brauen so erklärt: «Zuerst kommt ein Seitenmesser, wodurch das Sprengen der Bodenoberfläche verhindert wird. Dahinter folgt eine Gänsescharfuss zum Ausebenen, und danach eine Fingerwalze, um die Erde wieder in die Reihe zu bringen. Die Fingerwalze kann bei frühen Durchgängen vor dem 4 Blattstadium, wo die Gefahr des Verschüttens zu hoch wäre, auch angehoben werden. »

Um den Hackvorgang noch effizienter zu gestalten, verfügt das Hackgerät optional über eine Bandspritze. Dies führt zu einer deutlichen Verringerung der eingesetzten Pflanzenschutzmittel und reduziert die Verluste durch Verdunstung oder Abfließen über das Oberflächenwasser.

Dabei müssen die Arbeitsbreite der Bandspritze und des Hackgeräts auf die Reihenanzahl der Sämaschine abgestimmt sein. Passend wäre eine 12-reihige Sämaschine zu einem 6m Hackgerät. Die Hacke mit Bandspritze eignet sich jedoch erst ab dem 2-4 Blattstadium.

Die unabhängige Bandspritze

Darum setzt Brauen auch eine alte, konventionellen Feldspritze ein. Diese hat er für 1’000 Franken gekauft, anschließend den Balken eingekürzt und vorne auf einen kleinen Traktor montiert. (siehe Beitragbild)

Diese leichte Bandspritze ermöglicht einen ersten, frühen Durchgang, solange die Rüben noch zu klein sind oder der Boden im Frühjahr für das schwerere Hackgerät noch zu nass ist. «Ohne diese separate Bandspritze ist das Verfahren zu unsicher», beteuert Brauen.

Der Lohnunternehmer ist überzeugt, dass die Bandspritzarbeit vom Landwirt selbst erledigt werden sollte. «Wir haben die Einrichtung nur, dass wir im Versuchswesen helfen können und um Überzeugungsarbeit zu leisten», macht er deutlich.


Merkpunkte aus der Praxis zum Hacken in Zuckerrüben
  • Keine Tiefenlockerung mit Scheibenegge und Grubber im Frühling
  • Arbeitsbreite von Sämaschine und Hacke müssen aufeinander abgestimmt sein
  • Zuckerrüben sind flach auf 1-3 cm tief zu hacken, oder besser «schaben».
  • Mit Hacke und Striegel kann man nie zu früh kommen, immer nur zu spät
  • Eine unabhängige Bandspritze für frühe Durchfahrten ist empfehlenswert

Bei Kulturen wie Raps, Sojabohnen und Sonnenblumen setzt der Hackprofi die kleine Bandspritze ebenfalls häufig ein, sogar für Mais, welches in dem Fall auch auf 50 cm Reihenabstand gesät wird.

Sogar bei der Behandlung von Erdfloh und bei den ersten ein bis zwei Behandlungen gegen Blattläuse kann die Bandspritze eingesetzt werden, so dass sich hier die ausgebrachten Wirkstoffmengen um ebenfalls um 50 Prozent reduzieren lassen. Das macht die unabhängige Bandspritze auch rentabler.

Welche Geräte werden vom Handel zur Bandspritzung empfohlen?

Eine Bandspritze kann modular auf den Traktor oder auf der gewünschte Maschine aufgebaut werden. Die entsprechenden Kits bestehen aus Düsen, Pumpe und einer geschwindigkeitsabhängigen Mengensteuerung. Joël Petermann von der Firma Alphatec in Mathod, mit dem wir sprechen konnten, bietet Kits mit unterschiedlichen Arbeitsbreiten, Pumpenleistungen und Tankgrössen für die Montage vor oder hinter dem Traktor an. Für ein 6-reihiges Kit mit 16 l/min Pumpenleistung rechnet man mit Materialkosten ab 4’200 Franken zuzüglich ca. 1’000 Franken für einen 300 l Heck- oder Fronttank. Leistungsstärkere Bandspritzen mit 12 Düsen, 25 l/min und einem Fronttank von 750 l kalkuliert man mit ca. 10’000 Franken.

Zwar ist es technisch möglich, über «hängende» Düsen mit einer gewöhnliche Feldspritze im Band zu behandeln, so Petermann, aber eine Linienverfolgung ist aus mehreren Gründen unmöglich: «Bei jeder Bewegung des Lenkrads bewegen sich die Düsen seitwärts und auch die Höhe ist nur schwer zu halten. Selbst bei einer Aussaat mit GPS-RTK ist es unmöglich alle Reihen exakt zu treffen.»

«Bei der Behandlung einer Pflanze im 2-3-Blatt-Stadium», erklärt Petermann weiter, «ist eine Düse pro Reihe ausreichend. Bei der Behandlung einer Pflanze, die mehr als 10 cm hoch ist, ist eine Düse pro Seite der Reihe erforderlich. Das heisst: Für 6 Reihen sind 12 Düsen nötig und für 12 Reihen 24 Stück.»

Die Schwierigkeit bestehe auch darin, sagt er mir zum Schluss, die Liter pro Hektar mit sehr niedrigen Litern pro Minute zu regulieren. Es sei daher wichtig, die richtige Ausrüstung für die eigenen Bedürfnisse zu finden, und eine fachkundige Beratung wird empfohlen.

Erfahrungen aus dem Versuchswesen

Andreas Keiser, Dozent für Pflanzenbau und Züchtung an der HAFL Zollikofen macht seit 2014 Versuche mit dem Hacken-und-Bandspritz-Verfahren in Zusammenarbeit mit der Fachstelle für Zuckerrübenbau.

Gearbeitet wurde in der Zeit mit Geräten von Carré und von Schmotzer. Keiser stellt klar: «Die Erfahrung hat gezeigt, dass das System funktioniert und in der Praxis breit eingesetzt werden kann. Ertragsunterschiede wurden, soweit die Verfahren erfolgreich waren, keine festgestellt. Die Methode erlaubt Einsparungen von 35 Prozent der Herbizidmenge für Flächenbehandlung bis zum 4-Blatt-Stadium, besser sei aber die Kombination aus Hacken und Bandspritzen, hier kann bis zu 66 Prozent der Herbizidmenge eingespart werden.»

Die Bedingungen für einen Einsatz von Hackgeräten sind ein gut abgesetztes Saatbett, keine zu starke Neigung und eine passende Parzellenform. Ungeeignet ist das System in organischen Böden mit sehr hohem Unkrautdruck. Auch nasse Wetterbedingungen wie 2021 beschränken vor allem die verfügbare Einsatzzeit, die man dann um so konsequenter nutzen muss. «In dem Zusammenhang ist es unumgänglich, die Bandspritze vom Hackgerät zu trennen», gibt er Brauen recht. Mit so einem leichten Gerät gelingt es dann, die Reihe bereits in einem frühen Stadium mit einer Bandspritzung zu schützten. Und man gewinnt Zeit, um auf optimale Hackbedingungen zu warten.


Merkpunkte für den Neueinsteiger
  • Hacken und Bandspritzen in Zuckerrüben funktioniert.
  • Die Methode erlaubt bis zu 66 Prozent Einsparung.
  • Das Saatbett muss gut abgesetzt sein.
  • Erfahrungsaustausch nutzen (Anfang mit Lohnunternehmer)
  • Hackgeräte möglichst in mehreren Kulturen einsetzen
  • Die Mehrkosten sollten mit Förderbeiträgen unterstützt werden.

Sortenmässig eignen sich Conviso- und konventionelle Sorten. Mit konventionellen Sorten sind die Einsparmöglichkeiten durch die grössere Anzahl Kleinmengensplits eher grösser. Dagegen besteht bei Conviso eine gewisse Sicherheit, indem auch zu einem späteren Zeitpunkt nachkorrigiert werden kann.

Allgemein fügt Keiser an: Die Einsparung bei den Herbiziden kann die Verfahrenskosten für Hacken nicht abdecken, darum braucht es die Unterstützungsbeiträge. Der vollständige Verzicht auf Herbizide ist momentan nicht zu empfehlen, da dem Rübenanbau noch viele pflanzenbauliche Herausforderungen gegenüberstehen.

Hinweis zur Wirtschaftlichkeit

An der digitalen «Unkrauttagung Zuckerrüben» des IAG Grangeneuve, vom 16. Juni 2021, stellte der Betriebswirtschaftler Hansruedi Kilchherr einen Vergleich vor. Dort berechnet er den Unterschied zwischen einem ÖLN Verfahren mit klassischer Sorte und drei Herbizid-Behandlungen und einem Verfahren nach Massnahme 2 aus dem REB-Bundesprogramm. Um die Länge des Artikels nicht überzustrapazieren, geben wir nur seine verkürzte Kernaussage wieder:

Mittels der Teilbudgetmethode wird dargelegt, dass zwischen den finanziellen Resultaten einer klassischen Flächenbehandlung nach ÖLN und eines Verfahren Hacken und Bandspritzen nach M2 aus dem REB-Programm dank des REB-Beitrags von 400 Franken kein Unterschied besteht.

 (Den ganzen Bericht finden Sie im Video, link am Ende des Textes.)

Herbizidreduktion in SBR Befallsgebieten?

Im «Rübenpflanzer», dem Organ der Schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenbau, werden Sorten empfohlen, die sich gegenüber bakterieller SBR-Vergilbung ertragsstabiler zeigen als die erwähnten herbizidtoleranten Sorten. Aktuelle politische Anreize führen dazu, dass herbizidtolerante Sorten auch in SBR-Befallsregionen angebaut werden, obwohl diese unter SBR Befall niedrigere Erträge aufweisen.

Im Gegenzug erzielen die «SBR-ertragsstabileren» Sorten in den Befalls-Gebieten einen positiven Zuckerertragseffekt, der notabene auf einer Fläche von 3000 ha SBR Befallsfläche mehrere tausend Tonnen Zucker zusätzlich absichern würde.  Somit erscheint es wichtig, dass SBR-ertragsstabile Sorten in den kantonalen Förderprogrammen zur Herbizidreduktion zugelassen werden, damit dieser Vorteil für die Landwirte in SBR-Befallsgebieten auch wirtschaftlich attraktiv wird.

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Hinweis: Viele Aspekte der mechanischen Unkrautbekämpfung wurden bereits am 16. Juni 2021 an der digitalen Unkrauttagung des IAG Grangeneuve und Partner in St. Aubin erklärt und vorgeführt. Auf der Internetseite sind Videos verfügbar.


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