Jetzt Felder auf Erdmandelgras kontrollieren!



Bild 1: Das Erdmandelgras ist eine grosse Konkurrenz um Licht, Wasser und Nährstoffe für die Zuckerrübe

Seit rund 30 Jahren breitet sich das Erdmandelgras in der Schweiz aus. Das eingeschleppte Ungras verursacht Jahr für Jahr mehr Schäden in der Schweizer Landwirtschaft. Die Zuckerrüben gehören leider zu den Kulturen, die am stärksten unter dem Erdmandelgras leiden, da es in den Rüben kaum bekämpft werden kann und es eine grosse Konkurrenz um Wasser, Licht und Nährstoffe ist. Gemäss Agroscope sind in den Zuckerrüben Ertragsausfälle bis 60% möglich. Die wichtigste Massnahme im Kampf gegen den invasiven Neophyten ist die Früherkennung, ganz nach dem Motto: Wehret den Anfängen! Denn ein Erdmandelgras-Knöllchen kann pro Jahr bis zu 700 Tochterknöllchen bilden.

Markus Ulrich aus Waltalingen ZH kennt das Erdmandelgras einerseits als Landwirt und Rübenpflanzer, andererseits als Mitarbeiter eines Zürcher Lohnunternehmers. Aus Erfahrungen von Berufskollegen weiss er, dass das Ausgraben und das Bekämpfen von Erdmandelgras eine riesen Arbeit ist und es trotzdem nie ganz verschwindet.

Bild: Markus Ulrich wünscht sich, dass seine Berufskollegen ihre Felder vermehrt auf Erdmandelgras kontrollieren

Den Rübenanbau müsse er wohl bald aufgeben deswegen. Als Lohnunternehmer erlebt er ebenfalls den Mehraufwand, den das Ungras mit sich bringt. „Wir roden befallene Felder jeweils separat am Schluss der Kampagne.“ So soll eine Übertragung der Erdmandelknöllchen auf Erdmandelgras-freie Parzellen verhindert werden. Das Waschen des Rübenroders wird nötig, wenn unwissentlich eine Erdmandelgras-Parzelle gerodet wird. Das gilt es aber unbedingt zu verhindern, denn: „Das Reinigen eines Vollernters ohne Arbeitszeitausfall kostet rund 1000.-“, rechnet Ulrich.

Der Ostschweizer wünscht sich, dass die Landwirte die Erdmandelgras-Problematik ernster nehmen. „Jetzt sollte jeder Landwirt seine Felder auf Erdmandelgras kontrollieren!“, appelliert er an seine Berufskollegen. Denn nun blüht das hellgrüne Sauergras und ist gut zu erkennen (siehe Titelbild). Ein Befall müsse unbedingt früh festgestellt werden, sonst könne die Ausbreitung kaum mehr gestoppt werden.

„Ein Erdmandelgrasbefall ist kein Fehler“

Auch die Fachstelle für Zuckerrübenbau kennt Fälle, wo Landwirte wegen Erdmandelgrasbefall den Rübenanbau aufgegeben haben. Damit es nicht soweit kommt, sieht auch Luzi Schneider von der Rübenfachstelle Verbesserungspotenzial bei der Früherkennung: „Es ist wichtig, dass die Landwirte ihre Felder kontrollieren und einen Erdmandelgrasbefall melden.

Grafik Schweizerkarte: Mittlerweile haben acht Kantone eine Meldepflicht für Erdmandelgras eingeführt. Quelle: Nationale Koordination Erdmandelgras, Alexandra Schröder (Stand 2021).

Dafür muss man sich nicht schämen.“ Es sei selten der Fehler des Landwirten, wenn er plötzlich Erdmandelgras auf seinem Land hat. Viele wissen nicht einmal, wie sie es eingeschleppt haben. Ein Fehler wäre es aber, nichts zu unternehmen. Denn das Ungras breitet sich rasch durch Knöllchenbildung aber auch durch Samen aus.

Als erste Bekämpfungsmassnahme bei einer kleinen Befallsfläche müssen möglichst alle Erdmandeln auf Pflugsohlentiefe ausgegraben und im Kehricht entsorgt werden. „Wenn die Fläche zu gross ist zum Ausgraben, muss mit einem Pflanzenbauberater eine Bekämpfungsstrategie ausgearbeitet werden“, so Schneider. Verschiedene Kantone kennen mittlerweile sogar eine Meldepflicht, wenn Erdmandelgras entdeckt wird (siehe Karte) und es kann zu Kürzungen der Direktzahlungen kommen, wenn der Landwirt bei einem Befall nichts unternimmt. Andernorts wird auf die freiwillige Meldung der Landwirte gesetzt.

Es gibt kein Patentrezept

Mögliche Bekämpfungsmassnahmen bei stark befallenen Parzellen sind laut Agroscope eine intensive Bodenbearbeitung ab Ende März, der Einsatz von bestimmten Herbiziden im Mais und Getreide (z.T. mit Sonderbewilligung) sowie konkurrenzstarke Gründünger mit rascher Bodenbedeckung. Diese Massnahmen gilt es für eine optimale Wirkung möglichst gut zu kombinieren.

Link Merkblatt Agroscope: https://link.ira.agroscope.ch/de-CH/publication/35953

Bild: Der alte Rübenvollernter des Häberli Maschinenbetriebs in Hettiswil wird ausschliesslich für Erdmandelgras-Parzellen eingesetzt

Lohnunternehmer ebenfalls in der Pflicht

Wichtig ist, dass Rübenpflanzer einen Erdmandelgrasbefall auch dem Lohnunternehmer, der die Rüben gräbt, sowie dem Rübenring melden. Denn die Verschleppung von Erdmandeln mit Erde an Maschinen von Parzelle zu Parzelle ist die häufigste Verbreitungsart des Ungrases. Dass befallene Rübenparzellen am Schluss gerodet werden, ist die gängigste Methode, mit der Lohnunternehmer eine weitere Übertragung verhindern.

Der Maschinenbetrieb Häberli aus Hettiswil BE geht noch einen Schritt weiter und hat einen älteren Rübenvollernter, mit dem er ausschliesslich  Erdmandelgrasparzellen rodet. „In unserem Gebiet sind das je nach Jahr rund 4 bis 12 Hektaren, die wir separat ernten“, erklärt Daniel Häberli. Mehrkosten entstehen dabei für die Wartung und Prüfung der alten Maschine bei tiefer Auslastung und indem die Rüben direkt in die Wagen gegraben werden, was längere Wartezeiten für die Fahrer bedeutet. „Wir verrechnen zwar für Erdmandelgrasparzellen etwas mehr, aber das deckt die Mehrkosten nicht“, so Häberli. Wie der Landwirt müssten auch die Lohunternehmer ihren Teil zur Erdmandelgrasbekämpfung beitragen, meint er.

Bild: Daniel Häberli hat auch als Lohnunternehmer ein Interesse daran, dass sich das Erdmandelgras nicht weiter ausbreitet

Betroffene Parzelle dem Rübenring melden

Der zweite Übertragungs-Hotspot für Erdmandelgras im Zuckerrübenanbau ist der Rübenverlad mit der Rübenmaus. „Wir sind angewiesen auf die Meldung der Landwirte“, erklärt Nicole Schwab, Geschäftsführerin des Rübenrings Aarberg. Diese müssten bei der Dateneingabe ankreuzen, ob ihre Parzelle mit Erdmandelgras befallen ist. So könnten diese Parzellen am Schluss der Kampagne abgeführt werden.

„Letztes Jahr waren das rund 2,5 Tage, an denen die Rübenmaus am Ende der Kampagne noch unterwegs war.“ Leider sei dieser separate Schlussverlad in Gebieten mit Bahnverlad nicht möglich. „Dort muss die Maus nach dem Laden von Erdmandelgras-Mieten gewaschen werden, um dann wieder im Strassenverlad eingesetzt werden zu können“, so Schwab. Die Mehrkosten dafür trage die Genossenschaft. Nicole Schwab stellt fest, dass die Erdmandelgras-Meldungen tendenziell zunehmen.  

10 bis 20 neue Fälle im Kanton Bern

Dass sich das Erdmandelgras weiter ausbreitet, bestätigt Alexandra Schröder von der Pflanzenschutzfachstelle des Kantons Bern. Sie leitet zusammen mit Fiona Eyer aus dem Kanton Zürich die nationale Koordination Erdmandelgras. Sie koordinieren die vielen Projekte im Zusammenhang mit dem Ungras und fördern den Austausch zwischen den Landwirten, Beratern, Forschung, Branche und Bund, zum Beispiel in Form von Tagungen.

„Im Kanton Bern beispielsweise werden pro Jahr 10 bis 20 neue Parzellen mit Erdmandelgras gemeldet“, so Schröder. Längst sind nicht alle Parzellen betroffen. Trotzdem muss die Ausbreitung mit allen Mitteln gebremst werden, denn der wirtschaftliche Schaden, den eine Erdmandelgras-Parzelle verursacht, ist beträchtlich.


2 Kommentare “Jetzt Felder auf Erdmandelgras kontrollieren!

    • Hallo Udo, das ist keine gute Nachricht für meine Freunde aus Sachsen-Anhalt. Wichtig ist, bei Erstbefall radikal aufräumen und keine Verschleppung riskieren (siehe link zu Agroscope). Einzelne Pflanzen mitsamt Rhizomen und Knöllchen mindestens auf Pflugsohlentiefe ausgraben und in Deponie entsorgen.
      Alles Gute, Ronald

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