Maschine pflanzt eine Hektare Rüben in einer Stunde



Eine der wenigen Plant-Tape-Maschinen in der Schweiz gehört der Landmaschinen-Firma Jampen in Müntschemier BE.

Was vor zwei Jahren auf kleinen Versuchsflächen begann, wird diesen Frühling erstmals im grösseren Stil ausprobiert: Zuckerrüben pflanzen statt säen. Auf 60 Hektaren wird untersucht, ob das teure Verfahren im heiklen Bio-Zuckerrübenanbau Vorteile bringt. Die meisten Setzlinge werden als sogenannte „Speedys“, also als Einzelpflänzchen von Hand mit Setzmaschinen gepflanzt. Doch ein kleiner Teil der Rübensetzlinge wird erstmals mit dem „Plant-Tape-Verfahren“ in den Boden gebracht. Die Flächenleistung der Plant-Tape-Maschine, von der es nur zwei oder drei Stück in der Schweiz gibt, ist erstaunlich.

Eine halbe Stunde dauert es und die 25 Aren Versuchsrüben sind gepflanzt. Wäre das eine Pflanzenband nicht gerissen, hätte man die Maschine nicht noch tiefer einstellen müssen und hätte das GPS auf Anhieb funktioniert, dann wäre es noch schneller gegangen. Am 23. April 2021 wurden in Müntschemier BE auf dem Feld von Daniel Niklaus rund 20‘000 Zuckerrübensetzlinge gepflanzt. Das Spezielle daran: Gepflanzt wird nicht von Hand auf einer Setzmaschine, sondern mit einer neuartigen Plant-Tape-Maschine. Das „Pflanzen-Band“ wird praktisch vollautomatisch in den Boden eingezogen. Auf der Maschine sorgen zwei Personen dafür, dass das Plant-Tape ohne Panne abgewickelt wird. Bisher kam diese in den USA entwickelte Maschine nur im Gemüsebau zum Einsatz. Zum Video

Erstmals Schweizer Setzlinge

Eine ganze Truppe bestehend aus Vertretern der Zuckerrübenfachstelle, Pflanzenbauberatern, Lohnunternehmern und anderen Interessierten hat sich auf dem Feld von Daniel Niklaus eingefunden. Niklaus ist kein Biolandwirt, er sät neben dem Pflanzversuch rund 11 Hektaren ÖLN-Rüben. Aber weil sein Feld direkt neben dem Treibhaus der SwissPlant GmbH liegt, welche dieses Jahr erstmals die Zuckerrübensetzlinge für die Versuche in der Schweiz produziert, hat er sich zur Verfügung gestellt, einige Reihen Rüben zu pflanzen. So können die Verantwortlichen der SwissPlant GmbH beobachten, wie die Rüben gedeihen. Wie genau die SwissPlant GmbH die Zuckerrübensetzlinge produziert, lesen Sie in einem separaten Artikel auf dem Agro-Beta-Blog.

Lohnt sich das?

Die anwesenden Praktiker debattieren, ob sich das neue Verfahren für die Rübenpflanzer lohnen könnte. Für den konventionellen Anbau ist die Meinung schnell gemacht: viel zu teuer! Im Biolandbau sieht es anders aus. Da ist es möglich, dass die hohen Kosten für das Pflanzen (Rund 3000 Franken pro Hektare für die Setzlinge plus Maschinen- und Arbeitskosten) dank weniger Handarbeitsstunden fürs Jäten und höheren Erträgen wett gemacht werden. Dies aber auch nur dank  dem aktuell hohen Biorübenpreis von rund 154 Fr./t, der vom Bund und verschiedenen Partnern gestützt wird, um den Biorübenanbau zu fördern.

Spannender Versuch

Kosten hin oder her. Die Pflanzenbauprofis sind gespannt, wie es den gepflanzten Rüben in Müntschemier in den kommenden Wochen und Monaten ergehen wird. Kurzerhand werden noch sechs Reihen versuchsweise mit einer Glattwalze angedrückt um zu sehen ob so die Wasserversorgung im trockenen Boden verbessert wird. So oder so wird Daniel Niklaus die gepflanzten Rüben im staubtrockenen Boden bewässern. Eine Stelle wird er allerdings nicht bewässern, man will ja auch schauen, wie die Setzlinge mit trockenen Bedingungen zurechtkommen. Alle weiteren Kulturmassnahmen wird Niklaus konventionell, wie bei seinen übrigen 11 ha Rüben durchführen.


Ein Kommentar “Maschine pflanzt eine Hektare Rüben in einer Stunde

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.