Mehr Geld für weniger spritzen



Das Interesse am Strube-Feldtag in Schüpfen BE vom 16. Juni war gross. Gut 50 Rübenpflanzer und Interessierte fanden sich um 18.30 Uhr auf dem Feld von Daniel Dardel ein und dies trotz bestem Heuwetter. Einerseits ist man froh, dass nach der Corona-Flaute endlich wieder solche Anlässe stattfinden dürfen, andererseits ist der Zuckerrübenanbau stark im Wandel. So formulierte es Thomas Steiner von Stähler treffend: „Wir haben zwar die Abstimmungen über die Agrarinitiativen vom 13. Juni gewonnen, aber der Trend geht trotzdem in Richtung weniger Pflanzenschutzmitteleinsatz.“

Dieser Trend zu weniger chemischem Pflanzenschutz kam denn auch an allen drei Posten des Strube-Feldtags zum Ausdruck. So präsentierte Ronald Fischer, Strube-Vertreter in der Schweiz, den Sortenversuch: „Tesla hat eine sehr gute Blattgesundheit und liefert trotzdem gute Erträge.“ Das ist die Krux in der Züchtung: Je resistenter eine Sorte gegen Cercospora ist, desto tiefer ist in der Regel der Ertrag. Die Sorte Caroll hat Strauss als Strube-Hauptsorte abgelöst. Sie ist ein Z-Typ, liefert also rund 0,5 bis 1 % mehr Zucker als ein Ertrags-Typ, dafür rund 10 t weniger Rübenertrag. Mit der Gehaltszahlung und weniger Transportkosten kann sich das durchaus lohnen.

Ronald Fischer stellte die Strube-Zuckerrübensorten vor.

Die Sorten Dunant und Chevrolet stehen im 3. Versuchsjahr und könnten bald auf die Sortenliste kommen. Dunant ist ein NZ-Typ, liefert also sowohl gute Zuckergehalte als auch einen guten Rübenertrag. Chevrolet hat bisher eine gute Resistenz gegen Vergilbungen gezeigt. „Für die Züchtungsfirmen ist es eine herausfordernde Zeit“, erklärte Fischer. Die Rübenfläche in der EU hat von 3,7 Mio. Hektaren auf 3,3 Mio. Hektaren abgenommen, womit auch das Marktpotenzial sinkt.

Strube wurde bekanntlich 2018 verkauft an den Französischen Saatgutherstellers Deleplanque und die deutschen SUET Saat- und Erntetechnik GmbH. Beide Firmen haben seit langem eine enge Verbindung zu Strube. Unter dem Dach der Deleplanque Groupe sollen vor allem Zuckerübensorten von Strube und diverse anderen Kulturarten wie Getreide, Sonnenblumen oder Gemüsesaatgut und weitere gezüchtet und vermarktet werden.

Beiträge werden wohl deutlich aufgestockt

Damit die Rübenpflanzer animiert werden, den Pflanzenschutzmitteleinsatz zu reduzieren, gibt es seit 2018 das Programm der Ressourceneffizienzbeiträge (REB). „Ziel der REB ist es, 30 bis 65 Prozent der Herbizide im Rübenbau einzusparen“, erklärte Mirjam Burkhalter, Praktikantin auf der Zuckerrübenfachstelle. Mit Bandspritzung und dem Einsatz von Hackgeräten können je nach Programm 200 bis 800 Franken pro Hektare gelöst werden. Die aktuellen Beitragsvarianten gelten noch dieses Jahr. Wie es nächstes Jahr weiter geht mit den REB, ist noch unklar. Laut Samuel Jenny, Leiter der Zuckerrübenfachstelle, dürften aber die REB per 2022 deutlich aufgestockt werden.

Programme im Herbst anmelden

Wer bei den REB mitmacht, überlegt sich oft auch gleich auf IP-Suisse-Anbau umzusteigen. Wichtig dabei: „Ihr müsst euch für den IP-Suisse-Anbau und die REB-Programme im Herbst vor der Saat anmelden“, betonte Mirjam Lüthi von der IP-Suisse. Ein Abmelden vom Labelanbau zum Beispiel wegen starkem Blattlausdruck im Frühling sei immer möglich. Für die REB-Programme könnten die Flächen parzellenweise abgemeldet werden, bei IP-Suisse betreffe die Abmeldung immer die ganze Rübenfläche des Betriebs. Bio-Insektizide sind weder in den REB-Programmen noch bei IP-Suisse erlaubt. Dass der IP-Suisse-Rübenanbau interessant ist, zeigt auch die Anbaustatistik: 2021 pflanzen 577 Produzenten auf 2975 Hektaren IP-Suisse-Rüben an.

Blattläuse sind neue Herausforderung

Abmeldungen vom IP-Suisse-Anbau hat es 2021 nur wenige gegeben. Der Blattlausdruck war deutlich kleiner als 2020. „Der Blattlausbefall ist aber regional und zum Teil sogar von Feld zu Feld extrem unterschiedlich“, erklärte Thomas Steiner von Stähler. Deshalb könne man sich auch nicht nur auf das neu geschaffene Warnsystem der Zuckerrübenfachstelle verlassen, sondern müsse seine Felder selber gut beobachten.

Mit dem Wegfall des Beizmittels Gaucho betritt die Zuckerrübenbranche Neuland in der Bekämpfung der Blattläuse.

Thomas Steiner von Stähler zeigte Strategien zur Bekämpfung von Blattläusen auf.

Die schwarze Rübenblattlaus kann laut Stähler-Merkblatt regulär mit bis zu 2 Behandlungen à 250 g/ha Pirimor bekämpft werden, wenn 80 % der Pflanzen befallen sind.

Die grüne Pfirsichblattlaus, welche die Vergilbungsviren überträgt, kann seit 2021 mit 1 x 200 g/ha Gazelle SG,  gefolgt von 1 bis 2 x 0,45 l/ha Movento SC behandelt werden. Für den Einsatz von Gazelle ist eine Sonderbewilligung des Kantons nötig. Der rechtzeitige, aber nicht zu frühe Einsatz der Mittel ist entscheidend um den Hauptflug der mit dem Virus beladenen Blattläuse zu erwischen. „In der Westschweiz wurde bereits Ende April begonnen, die Läuse zu behandeln. Nun sind die 3 Behandlungen abgeschlossen. Ich hoffe, das kommt gut“, so Steiner. „Der Flug der Blattläuse nimmt in der Regel ab Mitte Juni stark ab“, beruhigte Samuel Jenny.

Wichtiger zweiter Teil

Der Spagat der Rübenpflanzer zwischen wegfallenden Pflanzenschutzmitteln, neuen Schädlingen und Krankheiten und dem Pflanzenschutzmittel-Absenkpfad, der die Risiken beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bis 2027 gegenüber 2015 halbieren will, wird also nicht kleiner. Nichts desto trotz war die Stimmung unter den Teilnehmern der Flurbegehung nach den Referaten gut, da es endlich wieder einmal möglich war, in geselliger Runde eine Bratwurst mit Getränk zu geniessen!


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