Rübenumschlag ist Gemeinschaftswerk



Thomas Vögeli, langjähriger Geschäftsführer und Organisator der Rübenumschlag Mittelland empfängt mich am Bahnhof Lenzburg. Gerade hat der Rübenpflanzer Peter Zobrist für heute den letzten Anhänger in das Dosiergerät der Bahnratte gekippt. Die Männer stehen jetzt um den Bürocontainer mit einer Tasse Kaffee in der Hand und reden über den nächsten Anfuhrtag.

Zobrist sagt, er sei zufrieden mit der aktuellen Lösung der Transportentschädigung. Er fährt sowohl die eigene – wie auch noch zusätzliche Rübenmenge.  „Mit der Software Farmpilot kann ich die jeweilige Rübenmiete punktgenau ansteuern und sehe live, wo sich die Feldmaus befindet“, freut sich Zobrist.

Der Fuhrlohn verrechnet der Rübenumschlag Mittelland der Fabrik und bezahlt diesen ohne Abzüge weiter an die Transporteure. Der Rübenumschlag Mittelland verrechnet dem Besitzer der Rüben einen Fixpreis pro Tonne für die Feldmaus und die Bahnratte.

Mit diesem Modell geht möglicherweise etwas Marge für den Rübenumschlag Mittelland verloren, aber – und das ist der grosse Vorteil – die Flexibilität nimmt massiv zu. Jeder Traktorfahrer kann somit im Bedarfsfall, wenn z.B. ein anderer Fahrer ausfällt, dessen Transporte ohne zusätzlichen Aufwand übernehmen. Die Transportpreise gelten nach Branchenvereinbarung und sind für alle genossenschaftlichen Modelle gleich. Somit fällt es auch leichter, die Aktionsgebiete der überregionalen Transportorganisationen grundsätzlich abzugrenzen.

Ein Beispiel: Für den nächsten Tag ist ein kompletter Zug in Steinsäckingen mit 18 Waggons auf 14 Uhr geplant. Einerseits könnte der Verlad am Vortag beginnen und am darauffolgenden Morgen zu Ende gebracht werden. «Ein solcher Unterbruch ist aber umständlich», sagt Vögeli. Die Fahrer ziehen es darum vor, bereits um 5 Uhr 30 mit dem Transport zu starten.

Die Schweizer Zucker AG rechnet pro Tag mit drei Zügen welche im Werk Frauenfeld angeliefert werden, dies geschieht parallel zur Strassenanfuhr. Die Rayons verteilen sich auf acht Verladestellen im Raum ZH /AG. An sechs weiteren Verladestellen in der Nordwestschweiz bietet der Rübenumschlag Mittelland ihren Verladeservice an.

Ab diesem Jahr organisiert der Rübenumschlag zusätzlich noch ein Gebiet, welches auf der Strasse abtransportiert wird. Er organisiert den Transport und die Finanzierung der Verladeeinrichtungen. Seit 2001, als man die erste Occasion-Bahnratte von ROPA gekauft hatte, welche die erste Maus war, die mit einem Dosierbunker ausgestattet wurde, hat sich vieles getan. Dank einer Neuanschaffung und einer Maschinenübernahme im aktuellen Kampagnenjahr von einem lokalen Unternehmer betreibt der Rübenumschlag Mittelland dieses Jahr erstmals auch zwei eigene Feldmäuse.

Die neue Feldmaus steht bereit für den Einsatz.

Simon Häfeli der jüngere der beiden Logistikprofis zuerst als Maschinist und inzwischen als Disponent und stellvertretender Geschäftsführer hilft wesentlich mit, die Genossenschaft strategisch weiterzubringen. Er hat sich beispielsweise dafür eingesetzt, dass der Rübenumschlag Mittelland einen Sattelzug einmietet. Rüben können dadurch auch effizient über Strecken von mehr als 20 km transportieren werden.

Wenn der Sattelschlepper im Gebiet der Rübenumschlag  Mittelland nicht benötigt wird, transportiert dieser Zuckerrüben aus der Region Ostschweiz direkt in die Fabrik nach Frauenfeld. Häfeli sagt dazu: „Sollte der Strassentransport weiter zunehmen, hat man bereits erste Erfahrung gesammelt und kann sich besser vorstellen, was das Ganze mit sich zieht.“ Auch darin zeigen meine Gesprächspartner ihren gezielten Willen zur Flexibilität.

Im Gespräch mit dem Junglandwirt spürt man sowohl sein Engagement für die Rübenproduktion als auch einen wachen Geschäftssinn. «Das Risiko muss möglichst verteilen werden», meint Häfeli auf seine Grundsätze als Unternehmer angesprochen. So hält er es auch auf seinem eigenen Betrieb so zu halten. Neben Milchkühen und Rindviehmast baut er Braugerste, Mais, Gras, Zuckerrüben und Dinkel an. Das Ganze wird mit einem Lohnunternehmen abgerundet.  

Die beiden engagierten Rübenpflanzer haben mir eindrücklich aufgezeigt: Gemeinsame Mechanisierungsprojekte wie der Rübenumschlag sind wichtige Erfolgsfaktoren im Zuckerrübenanbau und in der Schweizer Landwirtschaft. Der Container mit der Kaffeemaschiene am Bahnhof Lenzburg ist nur eines der vielen Mosaiksteinchen, das zum guten Gelingen beiträgt.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.