«Unser Fokus liegt auf dem Hacken»



Erschienen im Schweizer Bauer vom 03.09.2021, verfasst von Susanne Meier

Strube ist einer der Anbie­ter von Rübensaatgut. In der Schweiz wird er ver­treten von Ronald Fischer. Er erklärt, weshalb Strube das Hacken der Conviso- Züchtung vorzieht und welche neuen Sorten in der Pipeline sind.

Die Agro-Beta GmbH aus Stef­fisburg BE ist für Insider prak­tisch ein Synonym für Strube- Zuckerrübensorten. Schliesslich ist es Ronald Fischer mit seinem Team, der die Firma Strube in der Schweiz vertritt – und dies mit einigem Engagement. Auch dieses Jahr wieder organisiert er für die Rübenproduzenten zwei Feldtage. Mit dem Agro-Beta-Blog für Schwei­zer Zuckerrübenpflanzer und interessierte Ackerbauern will er zudem einen Beitrag leisten zur Erhaltung der Anbaufläche und bei der Verarbeitung von Zuckerrüben in der Schweiz.

Resistenzen im Fokus

 «Die Rübe ist eine interessan­te Kultur in der Fruchtfolge, sie bringt einen hohen Deckungs­beitrag, durchwurzelt den Bo­den, erhöht die Kulturanzahl und so die Biodiversität und lie­fert ein wichtiges Lebensmittel», zählt er auf. «Die bestehende Infrastruktur mit den beiden Zu­ckerfabriken darf nicht durch die aktuellen Probleme beim Anbau stillgelegt werden.» Die Sortenzüchtung sei ein wesent­licher Faktor für die Erhaltung der Kultur: «Die Steigerung beim Zuckerertrag liegt bei 1 bis 2 Prozent pro Jahr.» Hinzu kom­men aber Anforderungen bezüg­lich Resistenzzüchtung. Laut Ronald Fischer standen bisher schon Cercospora, Rübenzys­tennematoden und Rhizomania im Zentrum. «Neu kommen die Viröse und die SBR-Vergilbung hinzu. Und die Rüben müssen besser mit Trockenheit und Hit­ze umgehen können. Der Fokus liegt auf stabilen Erträgen bei sich verändernden Umweltbe­dingungen.» Die Resistenzzüchtung sei eine Herausforderung: «Wenn wir im Feld sehen, dass gewis­se Sorten weniger anfällig sind auf Vergilbungen, reicht das nicht. Wir müssen genetisch belegen, woher die Toleranz kommt, damit sie züchterisch weiterentwickelt werden kann. Hier sind wir noch in den An­fängen.» Aussagen, dass schon in drei Jahren tolerante Sorten auf den Markt kommen, glaubt er nicht. «Auch wir haben mit Chevrolet eine Sorte im drit­ten Prüfjahr, die diesbezüglich positiv aufgefallen ist. Auch bei dieser ist nicht belegt, dass die Toleranz genetisch verankert ist. Ebenso können Klimafaktoren oder Versuchsfehler eine Rolle spielen.»

Über Jahre bewährt

Zurück in die Gegenwart. Was für Strategien sollen die Produzenten wählen? «Ich wür­de auf Sorten setzen, die sich über drei Jahre bewährt haben», rät Ronald Fischer. «Im SBR-Gebiet sollte man die Sorten wählen, die von der Fachstelle für Zuckerrübenbau empfohlen werden. Auch unsere Sorte Ca­roll schneidet diesbezüglich gut ab, aber da der Kanton Waadt Beiträge gesprochen hat für die Herbizidreduktion, setzen alle Waadtländer Bauern auf die sul­fonylharnstoffresistenten Con­viso-Sorten, die mit zwei Herbi­zidbehandlungen auskommen. In Sachen Vergilbung ist das aus unserer Sicht eine falsche Wahl.» Für ihn ist die Conviso- Geschichte heikel, da bereits 80 Prozent der Sorten von einem Züchter stammen. «Auch wir hätten die Lizenz für die Sul­fonylharnstoffresistenz kaufen können. Das haben wir nicht getan, weil das Risiko, dass sich die Herbizidresistenz durch Schosser ausbreitet, zu gross ist. Auch der Nachbau kann beein­trächtigt sein. In Belgien wur­den Sulfonylharnstoffe nicht richtig abgebaut und führten zu Ausfällen bei Kartoffeln.»

Hilfe beim Hackroboter

Ronald Fischer ist überzeugt, dass die mechanische Unkraut­bekämpfung in den Rüben die Zukunft ist. Deshalb engagiere man sich hier: «Strube betreibt ein Joint Venture mit der Firma Naïo für die Entwicklung eines neuen Hackroboters. Hier lie­fern wir die Daten für die Ent­wicklung der Software zur Bild­analyse, um Rüben von Unkraut unterscheiden zu können.» Strube punktet bei ihren Sor­ten Caroll, Tesla und Strauss stark beim Zuckergehalt. Da dieser bei der Gehaltsbezahlung neu weniger stark berücksichtigt wird, will die Firma vermehrt auf ertragsbetonte Sorten, res­pektive auf den bereinigten Zu­ckerertrag, die Menge Zucker pro Hektare, setzen. «Dunant, die im dritten Versuchsjahr für Rhizomaniasorten steht, und Chevrolet mit drei Versuchs­jahren in unterschiedlichen Versuchsserien sind beides aus­gewogene Sorten», so Ronald Fischer, «sie sind stärker im Ertrag, aber noch zuckerreich. Ich hoffe, dass Dunant nächstes Jahr und Chevrolet vielleicht versuchsweise auf die Sortenlis­te kommen.»

Grosse Investitionen

Im zweiten Versuchsjahr hat Strube laut Ronald Fischer zwei Sorten, die bezüglich Er­trag sehr vielversprechend sind, beim bereinigten Zuckerertrag gar über dem Durchschnitt der Standardsorten liegen. Eine heisst Michelangelo, die andere ist noch namenlos. «Sie schnei­den auch bei der Cerco-Toleranz gut ab», betont er. «Es gibt aber ein Abkommen mit der Fach­stelle, nicht zu stark über Sorten zu sprechen, die nicht sicher auf den Markt kommen wer­den.» Was nicht heisse, dass er nicht an deren Potenzial glaube: «Strube investiert stark in der Rübenzüchtung und baut der­zeit in Deutschland einen Elite­speicher, in dem die neuesten Züchtungen aufbereitet werden, um erstes Saatgut für die Ver­suche zu gewinnen. Wir bleiben sicher am Ball.»


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