„Verschiedene Anbausysteme sollen möglich bleiben“



Martin Blaser aus Granges-Paccot ist Landwirt mit Leidenschaft: „Ich frage mich jeden Tag, was meine Kulturen heute benötigen, um möglichst gut gedeihen zu können.“ Er wünscht sich daher von der Politik und der Bevölkerung einen Rahmen, der verschiedene Anbaustrategien und Kulturmassnahmen zulässt. So könne er je nach Situation und Bodenzustand flexibel zwischen mechanischen und chemischen Massnahmen auswählen. Denn eine sofortige und erzwungene Ökologisierung würde nach Ansicht von Blaser den Rübenanbau in der Schweiz zum Verschwinden bringen. „Wir sollten den Rübenanbau mit Hilfe der Züchtung und der Anbautechnik schrittweise weiterentwickeln.“ Dafür setzt sich Blaser seit einem Jahr als Präsident der Freiburger Zuckerrübenpflanzer ein.  

Erst seit rund 10 Jahren werden auf dem Betrieb der Familie Blaser im freiburgischen Granges-Paccot Zuckerrüben angebaut. Aber Martin Blaser möchte die Kultur als wichtiges Fruchtfolgeglied nicht mehr missen: „Die Rübe passt perfekt in unsere Fruchtfolge mit Kartoffeln, Raps, Weizen, Gerste, Mais und Kunstwiese.“ Auf den knapp 80 Hektaren LN baut Blaser 18 ha Kartoffeln und 8 ha Rüben an. Etwas über 100 Milchkühe und 4700 Mastpoulets gehören zum Betrieb, den Blaser mit seiner Frau Beatrice, den 3 Kindern, zwei Angestellten und zwei Lehrlingen führt.

Im Gespräch wird schnell deutlich, wie wichtig dem Meisterlandwirten der Ackerbau und der Boden ist. „Wir haben auf jedem Traktor einen Spaten, mit dem wir vor jeglicher Bodenbearbeitung den Bodenzustand überprüfen“, erklärt Blaser.

Er führt seinen Betrieb praktisch pfluglos. Nach der Getreideernte im Sommer wird der Boden intensiv bearbeitet um Durchwuchs zu verhindern. Auch Schädlinge werden so dezimiert. Danach sät Blaser eine Gründüngung, die je nach Winter abfriert oder nicht. Im Frühling arbeitet er die Gründüngung je nach Bedingungen und Bodenbeschaffenheit mit einem Geohobel oder verschiedenen Grubbern ein und sät danach die Zuckerrüben. „Die Zufuhr von organischem Material in Form von Hofdünger oder Gründüngungen und die Feldhygiene sind für mich wichtige Punkte und ich scheue keine Kosten für die Bodenbearbeitung“, erklärt der 43-jährige. „Ich bin kein Freund der Strategie, möglichst wenig zu machen, um Kosten zu sparen.“

Ertrag und Qualität müssen stimmen

So verfolgt er die aktuellen Diskussionen in Politik und Bevölkerung hin zu einer ökologischeren Landwirtschaft kritisch: „Ich bin offen für neue Anbaumethoden, aber ich möchte diese frei auswählen können, wenn es für die Kultur und auch wirtschaftlich Sinn macht. Wir leben in erster Linie vom Verkauf unserer Produkte. Deshalb sind wir auf gute Erträge und eine gute Qualität der Produkte angewiesen.“ Eine radikale Ökologisierung des Zuckerrübenanbaus, wie sie etwa der Verein Vision Landwirtschaft fordere, würde zu einem starken Rückgang der Zuckerrübenmenge führen und schlussendlich zur Schliessung der Zuckerfabriken. Denn die Grenze in der Auslastung der Zuckerfabriken sei bereits erreicht.

Deshalb sät Blaser heuer die gleiche Rübenfläche wie bisher, obwohl auch seine Felder letztes Jahr deutlich durch die viröse Vergilbung gezeichnet waren. „Wir haben viel Aufwand betrieben, unsere Rüben vor dem Virus zu schützen und gebracht hat es wenig. Das ist frustrierend.“ Er versteht deshalb auch Pflanzerkollegen, die nach mehreren solchen „Rübenjahren“ das Handtuch werfen und den Rübenanbau aufgeben. Aber es gebe noch einige Randgebiete, wo Rüben angebaut werden könnten und wo der Schädlings- und Krankheitsdruck tief sei. Blaser hofft deshalb auf Neueinsteiger aus solchen Regionen.

„Will Beitrag zur Ernährungssicherheit leisten“

Von der Politik wünscht sich der Rübenpflanzer, dass es weiterhin möglich ist, verschiedene Produktionsformen auszuüben, dass chemische Hilfsstoffe erlaubt bleiben und auch neue Wirkstoffe zugelassen werden. „Schliesslich haben wir vor wenigen Jahren über die Ernährungssouveränität abgestimmt. Dann sollten wir auch unseren Beitrag dazu leisten können.“ Denn jedes Kilo Zucker, dass nicht in der Schweiz produziert wird, werde importiert und stamme daher kaum aus einer ökologischeren Produktion als in der Schweiz. „Es geht in der Politik immer mehr um Ideologien und nicht mehr um Nahrungsmittelproduktion“, bedauert Martin Blaser. „Ich kann es mit meinem Landwirten-Herzen nicht zulassen, dass wir Böden, Arbeitskraft, Maschinen, Diesel, etc. einsetzen, um am Schluss kaum etwas zu ernten. Wir können doch nicht tausende von Franken an Beiträgen kassieren, um am Ende kein Produkt mehr zu ernten. Das können wir vor den Konsumenten nicht rechtfertigen.“

Der Markt soll es regeln

Für die Zukunft des Schweizer Rübenanbaus hofft Blaser wie viele andere auch auf die Fortschritte in der Züchtung von toleranten oder gar resistenten Sorten gegenüber Schädlingen und Krankheiten. „Aber wir können nicht jetzt sofort ohne die geeigneten Sorten etwas pröbeln ohne Pfanzenschutzmittel. Das stehen die Pflanzer und auch die Fabriken nicht 10 Jahre durch“, ist der Landwirt überzeugt. Er glaubt aber auch daran, dass es der technische Fortschritt möglich machen wird, Pflanzenschutzmittel noch viel gezielter auszubringen und genauer zu hacken. Schlussendlich sollte es aber seiner Meinung nach der Markt regeln, wie viel Biozucker produziert werde. „Wenn mehr Biozucker nachgefragt wird, werden auch mehr Biorüben produziert.“


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