Vier Experten, vier Antworten: Das spricht für den Rübenanbau



Neue Krankheiten, wegfallende Pflanzenschutzmittel und tiefere Rübenpreise stellen die Zuckerrübenproduktion vor Herausforderungen. Trotzdem sprechen sich zwei Rübenpflanzer, ein Pflanzenbauberater und ein Landwirtschaftslehrer und Pflanzer klar für den Rübenanbau in der Schweiz aus. Die Politik habe die Probleme erkannt und unterstütze die Branche. Dies helfe, die schwierige Phase zu überbrücken. Die Zuckerrübe ist ein wichtiges Fruchtfolgeglied und unter dem Strich wirtschaftlich immer noch interessanter als viele andere Kulturen.

„Es sind interessante finanzielle Erträge möglich“

Zur Person: Florian Sandrini (34), Leiter Beratung Pflanzenbau und Umwelt, sowie Pflanzenschutzdienst im Kanton Thurgau

Was sind für Sie aus pflanzenbaulicher Sicht die Vorzüge der Ackerkultur Zuckerrübe?

  • Die Zuckerrübe nutzt die Vegetationsperiode optimal aus und produziert relativ viel Biomasse in kurzer Zeit
  • Die Zuckerrübe ist eine Frühjahrssaat und erlaubt mir eine alternative Beikrautbekämpfung wenn man sonst herbstkulturenlastig ist
  • Der Wechsel zwischen Blatt- und Halmfrüchten ist ein wichtiger Bestandteil einer gut funktionierenden Fruchtfolge, insbesondere dann, wenn keine Kunstwiese in der Fruchtfolge geplant ist
  • Die Rübe als Vorkultur erhöht das Etragspotential von Weizen als Nachfolgekultur

Wie beurteilen Sie die Wirtschaftlichkeit des Zuckerrübenanbaus?

Für die Ostschweiz gesprochen ist die Zuckerrübe an guten Ackerbaustandorten mit guten Durchschnittserträgen eine interessante Kultur. Auch wenn sie einen hohen DB aufweist, muss die Kultur in die Struktur des Betriebes hinsichtlich Mechanisierung bzw. verfügbare Arbeitszeit passen. Die zusätzlichen Bundesbeiträge ab 2022 unterstützten die Wirtschaftlichkeit und senken das Anbaurisiko. Im Vergleich zu anderen Kulturen ist das Risiko zwar höher, bei entsprechenden Standortbedingungen, guter Witterung und guter fachlicher Betreuung der Rübenfelder sind aber auch sehr gute finanzielle Erträge möglich.

Erachten Sie es als wichtig, dass der Zuckerrübenanbau in der Schweiz erhalten bleibt?

Ja. Die Zuckerrübe hat auch einen wichtigen volkswirtschaftlichen Aspekt. Ihre Verarbeitung und die Veredlung des Zuckers schafft Arbeitsplätze in den nachgelagerten Stufen. Zudem entstehen in der Zuckerherstellung auch Nebenprodukte, welche in der Tierernährung und im Pflanzenbau eingesetzt werden können. Auch aus pflanzenbaulicher Sicht ist der Erhalt des Zuckerrübenanbaus wichtig, da sie die Fruchtfolge ausweitet und wichtig für den Wechsel zwischen Halm- und Blattfrüchten ist.

Beenden Sie die Sätze:

Die Zuckerrübe ist… eine Kultur die pflanzenbauliches Know-how fordert und auch belohnt.   

Schweizer Zucker ist… süss.


„Zuckerrübe passt sehr gut in unsere Fruchtfolge“

Zur Person: Jeff Sunier, 29 Jahre, aus Suchy VD. Ich bin Meisterlandwirt und Chef meines eigenen Betriebs. Unser Betrieb besteht aus drei Betrieben in einer Teilbetriebsgemeinschaft. Landwirtschaftliche Nutzfläche der Gemeinschaft sind 130 ha, davon werden auf 16 ha Rüben angebaut.
Unsere anderen Kulturen sind Weizen, Gerste, Sonnenblumen, Raps, Mais und Erbsen/Gerste. Wir haben kein Vieh.

Was sind für Sie aus pflanzenbaulicher Sicht die Vorzüge der Ackerkultur Zuckerrübe?

Bei uns wird die Zuckerrübe bereits in der vierten Generation angebaut. Sie ist gut in unsere abwechslungsreiche Fruchtfolge integriert. Zudem ist sie eine Frühjahrskultur, was für unseren Betrieb mit einer Mehrheit an Herbstkulturen ein Vorteil ist. Unsere Region Jura-Nord Vaudois ist normalerweise eher günstig für den Anbau von Zuckerrüben.
Wir sind für den Anbau von Rüben ausgerüstet, abgesehen von der Rodung.

Wie beurteilen Sie die Wirtschaftlichkeit des Zuckerrübenanbaus?

Wir produzieren seit letztem Jahr (2021) IP Suisse Rüben. Zurzeit hängt die Rübe am Tropf mit Prämien, kantonalen und eidgenössischen Beiträgen. Der Preis ist sehr niedrig. Ohne Prämien gäbe es in der Schweiz keine Rüben mehr. Es ist ein wenig trostlos, in den grossen Supermärkten Aktionen mit Zucker zu Fr. 0.50 pro kg zu sehen.

Erachten Sie es als wichtig, dass der Zuckerrübenanbau in der Schweiz erhalten bleibt?

Ja natürlich! Ich bin für Schweizer Produkte, die einen Großteil unserer Selbstversorgung sicherstellen und Arbeit produzieren. Außerdem hat unser Schweizer Zucker einen besseren ökologischen Fußabdruck als importierter Zucker.

Beenden Sie die Sätze:

Zuckerrübe ist … eine interessante Kulturpflanze, die gut betreut werden muss.

Schweizer Zucker ist… ein lebensnotwendiges Produkt, das nachhaltig ist.


„Eine Hektare Rübe produziert mehr Sauerstoff als 1 ha Wald“

Zur Person: Florian Romon, 44 Jahre, Teilzeitlehrer für Pflanzenbau bei Agrilogie in Morges für die EFZ-Schüler im dritten Jahr. Landwirt in Villars-Ste-Croix mit Ackerbaubetrieb (Weizen, Dinkel, Raps, Sonnenblumen, Mais und Rüben), Mutterkühen (Angus) und Weinbau. Ich baue 9 ha Rüben an.

Was sind für Sie aus pflanzenbaulicher Sicht die Vorzüge der Ackerkultur Zuckerrübe?
Die Zuckerrübe ist eine Kultur, die unsere Fruchtfolgen, die häufig von Getreide und Ölsaaten geprägt sind, abwechslungsreich gestaltet. Mit wenig Input (Dünger, Pflanzenschutzmittel, …) produziert diese Kultur eine große Menge an Energie. Außerdem verbraucht sie große Mengen an CO2. 1 Hektar Zuckerrüben produziert viel mehr Sauerstoff als 1 Hektar Wald. Gleichzeitig bindet er fast doppelt so viel CO2.

Wie beurteilen Sie die Wirtschaftlichkeit des ZuckerrübenaComment jugez-vous la rentabilité de la culture de la betterave sucrière ?
Ich komme aus einer Region, die sehr stark von SBR und Viröser Vergilbung betroffen ist. Wenn man sich die Abrechnung der Zuckerfabrik anschaut, ist das schon etwas entmutigend, aber die Politik hat verstanden, dass wir uns in einer schwierigen Phase befinden und dass man den Anbau mit zeitlich begrenzten Hilfen unterstützen muss. Ich bin mir sicher, dass in Zukunft Lösungen gefunden werden und wir diese Hilfen nicht mehr brauchen werden, damit diese Kultur finanziell interessant ist. Für mich persönlich ist es eine Kultur, die ich extensiv anbaue und die aus finanzieller Sicht interessant ist.

Erachten Sie es als wichtig, dass der Zuckerrübenanbau in der Schweiz erhalten bleibt?
Ja, die Zuckerproduktion in der Schweiz ist wichtig. Ich bin der Meinung, dass alle Lebensmittel, die in der Schweiz hergestellt werden können, auch in der Schweiz hergestellt werden sollten. Zucker vom anderen Ende der Welt zu importieren ist ökologisch unsinnig.

Beenden Sie die Sätze:

Die Zuckerrübe ist… eine Kulturpflanze mit Zukunft.

Schweizer Zucker ist… umweltfreundlich.


„Ohne Rübenanbau gäbe es Preisdruck bei anderen Kulturen“

Mein Name ist Michael Baltisser und ich wohne in Weiach ZH. Ich bin 24 Jahre alt und habe im Jahr 2016 die Lehre als Landwirt EFZ abgeschlossen. Danach arbeitete ich für 1 Jahr auf einer kanadischen Farm. Anschliessend habe ich die Weiterbildung zum Agrotechniker HF absolviert. Nun arbeite ich auf dem elterlichen Betrieb der Ackerbau, Mastpoulet- und Schweinehaltung betreibt.

Was sind für Sie aus pflanzenbaulicher Sicht die Vorzüge der Ackerkultur Zuckerrübe?

Die Ackerkultur Zuckerrübe passt bei uns auf dem Betrieb optimal in die Fruchtfolge. Ausserdem haben wir in unserer Region neutrale bis alkalische Böden was gute Vorrausetzungen für den Rübenanbau sind. Ebenfalls haben wir festgestellt, dass die Zuckerrübe als Vorkultur für die Kartoffeln sehr gut geeignet ist, da so der Druck von Ackerschnecken und Drahtwürmern vermindert wird.

Wie beurteilen Sie die Wirtschaftlichkeit des Zuckerrübenanbaus?

Ohne staatliche Unterstützung (Flächenbeitrag) wäre der Rübenanbau in der Schweiz nicht mehr rentabel. Deshalb ist zu beachten, dass man mit der richtigen Sortenwahl einen hohen Rüben- und Zuckerertrag generieren kann. Durch diese Zuschläge lässt sich einigermassen rentabel Rüben anbauen.

Erachten Sie es als wichtig, dass der Zuckerrübenanbau in der Schweiz erhalten bleibt?

Ja natürlich! Es ist wichtig, dass wir Schweizer Zucker in Schweizer Produkten haben. So ist auch eine gewisse «Swissness» gewährleistet. Zudem ist es auch wichtig, dass die Rübenfläche erhalten bleibt, damit auf dieser keine anderen Kulturen angebaut werden. Dies würde zu einem Überangebot bei den anderen Kulturen führen und hätte einen negativen Einfluss auf deren Preis.

Beenden Sie die Sätze:

Die Zuckerrübe ist… die Königin der Ackerkulturen.

Schweizer Zucker ist… nachhaltig und generiert Arbeitsplätze.


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