Voller Einsatz für die Zuckerrübe



2014, als Basile Cornamusaz begonnen hat auf der Fachstelle für Zuckerrübenbau zu arbeiten, war die Schweiz Europameisterin in der Zuckerproduktion pro Hektare. „Damals produzierten wir im Schnitt 16 Tonnen pro Hektare“, erinnert sich der 30-jährige beim Interview im Novemeber.

Hier finden Sie, lieber Leser, den zweiten Teil unserer Serie über die Arbeit der schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenbau. Der erste heisst „die Suche nach der perfekten Sorte“ (Ihre Redaktion).

Heuer, nur sechs Jahre später, ist die Ertragslage völlig auf den Kopf gestellt. Und dies in einem Jahr mit wettermässig nahezu optimalen Bedingungen für die Rüben. Grund sind neue Krankheiten und Schädlinge und der Wegfall von Pflanzenschutzmitteln. In Zeiten wie diesen ist die Arbeit der Schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenbau wichtiger denn je.

„Am liebsten habe ich die Versuchsarbeit. Im Sommer frühmorgens draussen auf dem Feld zu arbeiten, wenn alles noch ruhig ist. Keine Telefone, kein Verkehr,…“, schwärmt Cornamusaz. Als Regionalleiter der Westschweiz besitzt er ein Büro in Moudon VD.

Die Fachstelle führt vor allem Sortenversuche durch, aber auch Fungizid-, Herbizid- und Insektizidversuche. Die Versuchsarbeit beginnt im Winter im Büro, wenn die neuen Versuche geplant werden. Ab März werden dann die ersten Versuche draussen ausgesät. „Gleichzeitig berate ich in dieser Zeit oft Landwirte am Telefon zum Thema Saatzeitpunkt, etc.“, erklärt der Agronom FH.

Den Rest des Frühlings sei er viel beschäftigt mit dem Vereinzeln und Bonitieren der Versuche, der Überwachung des Schädlingsbefalls, Beratung und Flurbegehungen mit rund 15 Arbeitskreisen. „Der Juli ist ein eher ruhiger Monat für mich bevor es danach mit Fungizidempfehlungen weiter geht und im Herbst die Versuchsernte ansteht.“

Jetzt, im Spätherbst und Winter werden die Versuchsdaten ausgewertet, Versuche im Ausland studiert und es ist die Zeit für Vorträge, Schulunterricht, Sitzungen und Versammlungen.

Rüben von morgens bis abends

Basile Cornamusaz ist froh, dass er auf dem elterlichen Ackerbaubetrieb in Trey VD mit 40 ha LN noch in Kontakt kommt mit anderen Kulturen. Nebst Zuckerrüben bauen Vater und Sohn dort auch Getreide, Raps, Mais, Kartoffeln und Eiweisserbsen an. „Ich habe das ganze Jahr über von morgens bis abends fast nur Rüben im Kopf. Als Fachstellenmitarbeiter ist man fast verheiratet mit dieser Kultur“, sagt der Ehemann und Vater eines 2-jährigen Sohns. „Auch wenn wir in die Ferien fliegen oder am Wochenende mit dem Auto unterwegs sind sehe ich Rübenparzellen. Das kann auch belastend sein.“ Insbesondere wenn die Branche wie derzeit in einer Krise steckt.

4 neue Krankheiten und Schädlinge

In den letzten Jahren ist der Krankheits- und Schädlingsdruck im Schweizer Rübenanbau enorm gestiegen. Mit dem Syndrome Basses Richesses (SBR), der Virösen Vergilbung, der Rübenmotte und dem Pilz Rhizopus sind gleich vier neue Probleme eingewandert. Sie kommen mit dem wärmeren Klima aus dem Mittelmeerraum zu uns. Und auch der Druck des Cercospora-Pilzes hat zugenommen.

Gleichzeitig steht der Pflanzenschutzmitteleinsatz in der Schweiz politisch und gesellschaftlich stark in der Kritik. „Der Verbot des Beizmittels Gaucho kam viel zu kurzfristig“, sagt Cornamusaz. „Wir bräuchten eine Übergangsfrist von 10 Jahren. Dann hätte die Züchtung Zeit, passende Sorten zu finden. Die Politik und die Bevölkerung sollten begreifen, dass es Zeit braucht, bis der Rübenanbau so extensiviert werden kann, wie sich das offenbar viele wünschen.“

Bis dahin empfiehlt er von den neuen Krankheiten betroffenen Pflanzern die besten Sorten, die es aktuell gibt. „Ich kann niemandem befehlen weiter Rüben zu pflanzen, aber wir sind daran das beste Sortenmaterial, das es momentan gibt auf den Markt zu bringen“, sagt er. „Ich kann höchstens versuchen Mut zu machen, dass die Politik doch noch einsieht, dass es keinen Sinn macht hier den Rübenanbau aufzugeben und dann Zucker aus Gaucho-gebeizten Rüben zu importieren.“



Am Hauptsitz der Fachstelle in Aarberg sind Geschäftsführer Samuel Jenni, Berater Hansjörg Weber und das Sekretariat mit Renate Bischof stationiert. Das Regionalbüro in Moudon VD wird durch Basile Cornamusaz geführt, jenes am Strickhof in Effretikon durch Luzi Schneider. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Madlaina Peter gehört ebenfalls zum Team.


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