Von Zigarrenqualm und Pulverdampf



Damals im alten Kyburzhaus, wo der Zigarrenrauch aus dem Büro des Alt-Direktors durch die Gänge wehte, begann meine Karriere in der Zuckerrübenbranche. Der Rübenpreis lag bei sagenhaften 14 Franken/100 kg und die Zuckerüben galten als Königin des Ackerbaus.

Kurz, ich war auserkoren, das Mandat für die Sortenvertretung von Strube-Dieckmann zu übernehmen. Doch heute, mehr als 20 Jahre später, ist die Begeisterung bei vielen Bauern der Ernüchterung gewichen.

Aber warum ist das so? Und haben sie recht, wenn sie sagen, mit Rüben verdiene man nichts?

Wir meinen nein. Im AgroBeta Blog stellen wir Ihnen Rübenpflanzer vor, die sich angepasst haben und mit geeigneten Strategien ihre Zuckerrüben erfolgreich anbauen.

Wie kam es dazu?

Gleichzeitig mit dem Erfolg für meine Arbeit als Saatgutvermarkter, kam die Globalisierung ins Spiel und die europäische Zuckerwirtschaft geriet ins Visier der freien Märkte. Das WTO Schiedsgericht gab am 28. April 2005 einer Klage der führenden Länder der Rohrzuckerproduktion recht (EC – EXPORT SUBSIDIES ON SUGAR DS265, 266, 283)

Die EU musste in der Folge ihre Exportsubventionen für billigem C-Zucker aufgeben, die Rübenpreise von 2006 bis 2011 um 36% senken und die Zuckerquote drastisch reduzieren. Dichter Pulverdampf trübte die europäische Sicht auf gewinnbringende Exporte in Drittweltländer.

Die Rübenbranche in Europa überstand den Angriff trotz der Härte des Entscheides leidlich. Unrentable Fabriken wurden stillgelegt und Quoten von aussteigewilligen Regionen zurückgenommen. Die verbliebenen Regionen machten sich daran ihre Effizienz zu steigern.

Die Verteidigung des Schweizer Zuckerrübenmarktes war für erste gelungen.

Auch die Schweizer Zuckerrübenproduzenten mussten in die Hosen steigen, denn die Schweizer Zuckerproduktion ist über die bilateralen Verträge II eng an das Preisniveau des Europäischen Zuckers gebunden.

Gegen die schwindenden Rübenpreise begannen die Bauern vermehrt Ernte- und Transportgemeinschaften zu gründen, oder Lohnunternehmer übernahmen die Investitionen in neue Anbautechniken.

In der Politik wurde der Leistungsauftrag an die Zuckerfabrik durch Flächenbeiträge an die Landwirte ersetzt.

Nun, man hatte sich angepasst und bald herrschte wieder Aufbruchstimmung. Grund waren beeindruckende Fortschritte in der Züchtung und der Anbautechnik sowie der positive Einfluss der Klimaerwärmung. Eine Norddeutsche Zuckerunternehmung half mit ihrer Ertragsinitiative 20·20·20, die Rübenwelt auf neue Ziele zu trimmen – will heissen, bis zum Jahr 2020 erreichen 20 Prozent der Rübenpflanzer 20 Tonnen Zucker pro Hektar.

Doch bald kamen die Reiter der Globalisierung und des Freihandels wieder ins Land der Rübenanbauer zurück. Die Aufhebung der nationalen Zuckerquoten, welche die EU ab September 2017 eingeführt hatte, führten zu Verschiebungen innerhalb der Zuckerproduktion. Die Kapazitäten bei den grossen Zuckerherstellern Europas wurden hochgefahren und die Zuckerpreise fielen in der Folge – wenig überraschend – noch tiefer in den Keller.

Dass die Rüben genau in der Zeit auch noch unter Blattkrankheiten oder Trockenheit zu leiden hatten, half nicht wirklich. Somit schmolz die Hoffnung auf bessere Margen im Zuckerrübenanbau dahin wie Schnee in der Sahara. 

Offensive statt Rückzug

So verständlich es ist, wenn einige Bauern aus wiederholtem Futtermangel die Rüben durch Futterflächen für ihr Vieh ersetzen, oder andere zu Gunsten eines Nebenerwerbs den ganzen Betrieb extensivieren, eine weitere Flächenerosion können wir uns jedoch nicht leisten. Seit 2015 sind mehr als 3’000 Hektaren Zuckerrübenfläche verschwunden.

Die verschiedenen Szenarien in der Betriebswirtschaftsstudie Schweizer Zucker der Implement Consulting Group von November 2019 lassen keine wirtschaftliche Besserung erwarten, sollte sich das Unternehmen gezwungen seheninfolge eines Rohstoffmangels eine Werk zuschliessen.

Eine Mehrzahl der 4’400 Rübenpflanzer glauben an die Kultur und erreichen Deckungsbeiträge, die ausser mit Kartoffeln in keiner Ackerkultur erreicht werden. Nicht zuletzt dank des Flächenbeitrags von 2’100 Franken pro ha.

Wie gehen erfolgreiche Rübenpflanzer vor? Wie sehen die Rentabilität und der Fruchtfolgewert auf ihrem Betrieb aus? Was erzählen sie von den Besonderheiten dieser Kultur, dem technischen züchterischen Fortschritt? Was macht sie stolz und wo sehen sie Verbesserungspotential auf Ihrem Betrieb.

Lesen Sie über die Ziele und Erwartungen verschiedener Rübenprofis aus allen Bereichen, angefangen vom Zuckerrübenanbau über die Logistik bis hin zur Sortenzüchtung. Falls Ihnen dazu etwas auf der Zunge brennt, können Sie einen Kommentar schreiben.

Wir laden Sie ein, als engagierte Ackerbauern für die Zuckerrübenverarbeitung und die Kulturvielfalt einzustehen.

Jetzt ist der Moment da, wo Sie etwas tun können. Steigen Sie ein in den Rübenanbau. In der AgroBeta RübenRalley können Sie ihr Interesse hinterlegen oder wenden Sie sich direkt an die Hotline der Schweizer Zucker AG, Frau L. Kardache 032 391 62 15.


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