„Wir produzieren intensiv, aber mit Umsicht.“



Mathieu Gudit (34) weiss, was er will. Als junger Landwirt im waadtländischen Arissoules-Rovray, östlich von Yverdon liegt sein Betrieb auf 641 m über Meer in einer typischen Ackerbau-Viehwirtschaftsregion. Der Betrieb wird von Vater und Sohn gemeinsam geführt.

Bessere Auslastung dank Zusammenlegung

Zusammen mit fünf Landwirten aus der Umgebung haben die Gudits eine Ackerbaugemeinschaft gegründet. Als Kulturchef betreut Matthieu insgesamt rund 180 ha Ackerland aus der Nachbarschaft. Die Nachbarn helfen je nach Möglichkeitenm und Bedarf bei der Feldarbeit mit.

„Diese grosse Einheit erlaubt es, die Arbeitszeit und das Material effizient einzusetzen,“ sagt Matthieu. Nicht nur die top-moderne Feldspritze wird so optimal ausgelastet, auch eine mobile Getreidetrocknungsanlage ermöglicht es, Wertschöpfung auf den Betrieb zu halten.

Am Rübenbau gefällt ihm auch die Herausforderung als Pflanzenbauer. Da er ein relativ „neuer“ Rübenproduzent ist, beobachtete er seine Kulturen sehr genau. Ständig will er etwas dazuzulernen und der Austausch mit befreundeten Rübenpflanzern ist ihm wichtig. „Entscheiden“, sagt er „will ich jedoch unabhängig davon, was gerade angesagt ist.“ Er hört auf sein Bauchgefühl und ist bisher gut damit gefahren.

Die Zuckerrüben kommen in der Fruchtfolge nach Getreide. Im Sommer sät er Ölrettich als Gründüngung, und im Frühjahr darauf setzte er den Lemken Kristall Grubber mit 2 Schar-Reihen zur Bodenbearbeitung ein, danach macht er „Direktsaat“. Wenn kein Regen angesagt ist, wird die Saat anschliessend noch gewalzt.

Das Produktionsziel ist ehrgeizig. 85- 100 to Rüben mit 19% Zucker sollen es sein Ziel. Das versucht er hauptsächlich mit der Sorte Strauss zu erreichen. Erstmals probiert er auch Rhinema, um Erfahrung im Umgang mit der von Zykaden übertragenene Bakterienkrankheit SBR (Syndrom des tiefen Zuckergehalts) zu sammeln. Ein schneller Sortenwechsel ist jedoch nicht sein Ziel, solange es gut funktioniert.

Innovation kommt vor Gemütlichkeit

„Gemütlich mit Strohhut und Pfeife auf dem Traktor sitzen ist nicht meine Ding“, sagt er. Aktuell testet er eine Anlage zur Aufbereitung von Spritzmittelwassers, deren Lieferant er in Südfrankreich ausfindig gemacht hat. Entmineralisieren, Temperieren sowie die Anpassung des pH an die Angaben der Pflanzenschutzmittel-Hersteller auf dem Sicherheitsdatenblättererlauben es, die Wirkung der Spritzmittel massiv zu verbessern respektive die Aufwandmenge zureduzieren. Mit einer digitalen Steuerkonsole können die angestrebeten Eigenschaften bequem eingestellt werden.

Für eine abschliessendes Urteil über die Wirkung ist es beim ersten Treffen Ende Mai noch zu früh. Ein paar Wochen später gibt er sich bereits überzeugt: „Ich habe die Aufwandmenge der Pflanzenschutzmittel gegnüber der Empfehlung sowohl in den Zuckerrrüben, in den Kartoffeln als auch im Weizen um die halbe Dosis reduziert und trotzdem eine gutes Behandlungsergebnis erreicht.

Wer interesiert ist kann, sich bei ihm melden und den Weizen noch vor der Ernte besichtigen. Er freut sich: „Meine Investition ist bereits im ersten Jahr abgeschrieben.“

Aus seiner Sicht ist der Erhalt der Zuckerrübenanbaus ein wichtiges Ziel. „Der Selbstversorgungsgrad von 54% soll nicht weiter sinken, sonst haben wir plötzlich statt jeden zweiten Tag nur noch alle drei oder vier Tage Lebensmittel aus der Schweiz auf dem Tisch. Die Politik muss dafür sorgen, dass die Rentabilität im Ackerbau erhalten bleibt.“

Recht hat er, denke ich, denn unsere Zuckerrübenbetrieb können sich nur dann an die veränderten Bedingungen der Umwelt und der Gesellschaft anpassen, wenn sie ein angemessenens Einkommen erzielen.

Betrieb von Blaise und Matthieu Gudit, Arrissoules-Rovray, VD

180 ha in Ackerbaugemeinschaft unter 5 Landwirten

Kartoffeln           22 ha
Raps 20 ha
Körnermais                     25 ha
Winterweizen                30 ha
Wintertriticale           8 ha
Sonnenblume 3 ha
Zuckerrüben          15 ha
Kunstwiese       17 ha
Extenive Wiese         28 ha
Extensive Weide 3 ha
Jachère                                6 ha

80 Milchkühe und eine Pouletmast sind weitere Standbeine. Lohnarbeiten werden auf Anfrage ebenfalls angeboten.

Mitarbeiter: Vater und Sohn, ein Angestellter, zwei Lehrlinge


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