„Wir säen die Rüben auf 75 cm Reihenabstand“

David Kilchenmann bedauert die abnehmende Zuckerrübenfläche in der Schweiz. „Zuckerrüben sind für unseren Betrieb nach wie vor eine wirtschaftliche Kultur“, sagt er.

Beat und David Kilchenmann aus Ottiswil in der Gemeinde Grossaffoltern BE verfolgen seit vier Jahren eine aussergewöhnliche Strategie im Zuckerrübenanbau. Sie säen ihre gut 6 Hektaren Rüben auf 75 cm statt 50 cm Reihenabstand. „So können wir die Rüben, die Sonnenblumen und den Mais auf unserem Betrieb hacken, ohne dass das Hackgerät umgebaut werden muss“, erklärt Sohn David.

Diese gesamtbetriebliche Überlegung ist nebst der Reduktion von Pflanzenschutzmitteln der Hauptgrund für den erweiterten Reihenabstand. „Indem wir weniger Rübenzeilen auf dem Feld haben und diese nur im Band mit Herbizid behandeln, können wir ohne kostenintensive Technik rund 50 Prozent der Herbizide einsparen“, sagt er.

Hacken in Kombination mit Bandspritzung

Hacken und Bandspritzen

Seit 25 Jahren kam auf dem Betrieb Kilchenmann kein Pflug mehr zum Einsatz. Die Rüben werden nach Körnermais oder einer Gründüngung mittels Mulchsaat gesät. „Damit das Hacken problemlos funktioniert, sollten Ernterückstände vor der Saat zum Beispiel mit einer Scheibenegge zerkleinert werden“, meint David Kilchenmann. Er lockert bei Bedarf den Boden mit einem Untergrundlockerer tiefgründig ohne zu wenden und ohne Durchmischung des Bodens. Dies erfolgt entweder vor der Rübensaat oder vor der Saat der Gründüngung im Sommer. Die Saat erfolgt kombiniert mit Kreiselegge. Nach der Saat spritzt Kilchenmann in der Regel ein bis zwei Mal Herbizid im Band, danach folgen drei bis vier Hackdurchgänge mit dem Fronthackgerät bei welchen je nach Bedarf auch
die integrierte Bandspritzung für weitere Herbizidsplits oder Korrekturbehandlungen zum Einsatz kommt. „Wenn es im Band um die Zuckerrübe sauber ist, ist schon viel gewonnen“, so der 28-jährige
Agronom. „Das Hacken zwischen den Reihen funktioniert auch noch, wenn das Unkraut bereits etwas grösser ist.“

Gesamtbetriebliche Überlegung

Untersaatmischung im Test

Mit dieser Herbizidreduktion kann Betriebsleiter Beat Kilchenmann mittlerweile Ressourceneffizienzbeiträge (REB) von 400 Fr./ha Rüben abholen. Er verzichtet auch auf den Einsatz von Insektiziden und Fungiziden und erhält dafür ebenfalls 400 Fr./ha REB. „Als wir mit unserem
System begonnen haben, gab es noch keine Beiträge. Mir wäre es lieber, wenn diese ökologische Leistung über den Rübenpreis abgegolten würde“, stellt Sohn David klar. Er müsse ehrlich zugeben, dass das System mit 75 cm Reihenabstand plus Hacken und Bandspritzen rein auf die Kultur
Zuckerrübe betrachtet wirtschaftlich eher schlechter abschneide als das konventionelle Anbauverfahren. „Aber für uns ist wie bereits erwähnt die Gesamtbetrieblichkeit entscheidend. Wir wollen ein einfaches Hackgerät ohne viel Technik, das von einer Person gesteuert werden kann und
mit dem wir ohne rumzuschrauben von den Sonnenblumen in die Rüben und in den Mais wechseln können.“ Um eine Hektare zu hacken braucht Kilchenmann im Schnitt eine Stunde.

Ein Drittel weniger Pflanzen aber nur etwa 10 % weniger Ertrag

Dank Streifenfrässat: Erosion adieu.

Doch wieso haben sich die Ackerbauprofis für einheitliche 75 cm Reihenabstand in ihren Kulturen entschieden und nicht für 50 cm, was ebenfalls machbar wäre? „Wir können so mehr Pflanzenschutzmittel und Saatgut reduzieren, haben aber nur rund 10 % weniger Rübenertrag“, antwortet David Kilchenmann prompt. Zudem sei das Hacken in leichter Hanglage so besser möglich. Mit den weiteren Reihen erhoffen sie sich auch eine bessere Bestandesdurchlüftung und dadurch weniger Krankheitsdruck. Mittlerweile sät das Lohnunternehmen Kilchenmann auch bei zwei Berufskollegen mit konventionellen Rüben und bei drei Biolandwirten die Rüben auf 75 cm. „Im Biolandbau bedeutet ein Drittel weniger Reihen auch ein Drittel weniger Jäten von Hand. Und das bei nur 10% weniger Ertrag.“

„Rübenanbau ist nach wie vor wirtschaftlich“

Vom 3-Reiher zum 2-Reiher umbauen (Projekt)

Beat Kilchenmann ist ein langjähriger Zuckerrübenpflanzer und bei ihm und auch bei Sohn David ist die Begeisterung für die Zuckerrübe ungebrochen. Sie haben ihre Anbaufläche in den letzten Jahren sogar leicht ausgedehnt. „Für uns ist die Zuckerrübe nach wie vor eine wirtschaftliche Kultur, wenn man den Einzelkulturbeitrag einrechnet“, stellen sie klar und bedauern, dass die Zuckerrübenfläche in der Schweiz schwindet und damit die Zukunft der ganzen Branche unsicherer wird. „Für viele ist wohl die Bodenbelastung bei der Ernte ein Argument gegen die Rüben, oder die späte Zahlung des Rübengeldes oder der Transport oder der Druck durch Krankheiten und Schädlinge“, mutmasst Kilchenmann. Gegen Bedenken bezüglich Bodenbelastung wendet er ein: „Wenn man grundsätzlich Sorge trägt zum Boden mag es auch ein Jahr Zuckerrübenernte ertragen. Eine Untersaat wäre natürlich ideal. Wir pröbeln da etwas.“, schmunzelt der Tüftler. Und da wären wir wieder bei den 75 Zentimetern. „So hat man auch Platz für eine Untersaat. 

Betriebsspiegel:

  • Betrieb von Beat und Elisabeth Kilchenmann, Grossaffoltern BE
  • LN: 30 ha
  • 6 ha Zuckerrüben, Weizen, Gerste, Silo- und Körnermais, Sonnenblumen, Eiweisserbsen
  • 240 Mastschweineplätze
  • 80 Mastmunis 
  • Lohnunternehmen: Säen von sämtlichen Ackerkulturen , Gülle führen mit Schleppschlauchfass
  • Mitarbeiter: Betriebsleiterpaar, Sohn David 2 Tage pro Woche, Sohn Simon und Tochter Anna je rund 1 Tag pro Woche, 2 Mitarbeiter auf Abruf für Lohnarbeiten


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