Zuckerbranche – ökologisch ja, aber das reicht nicht.



Ein Beitrag der Schweizer Zucker AG und des Schweizerischen Verbands der Zuckerrübenpflanzer


Einige Ansichten, die im Beitrag Vision Landwirtschaft vom 01.03.2021, formuliert wurden, zum Beispiel zum Einzelkulturbeitrag oder zur Einwerkstrategie, sind tatsächlich Visionen oder eine Meinung. Hier lesen Sie nun die Position der Schweizer Zucker AG und des Schweizereischen Verbandes der Rübenproduzenten sowie die Fakten zur aktuellen Lage, die wir hier exklusiv publizieren (die Red.).


Die zusätzlichen Stützungsmassnahmen des Bundes für die Zuckerbranche laufen im Herbst dieses Jahres aus. Mit unterschiedlichen Anträgen sucht die Kommission WAK des Nationalrates nach einer künftigen Lösung. Die Diskussionen dazu driften derweil ab und drehen sich mehrheitlich um die Ökologisierung des Zuckerrübenanbaus. Das ist wichtig und im Hinblick auf die Volksinitiativen vom Juni auch verständlich. Biologische Anbauvarianten werden aber nur zum Erfolgsmodell, wenn der ganzen Branche eine Zukunft attestiert wird und der Weg dorthin mit Augenmass erfolgt. Die Politik läuft im Moment Gefahr, das Kind mit dem Bade auszuschütten.

Mit der Einreichung der Parlamentarischen Initiative von Jacques Bourgeois unter dem Titel «Stopp dem ruinösen Preisdumping beim Zucker! Sicherung der inländischen Zuckerwirtschaft» sollte der inländischen Zuckerbranche eine Perspektive für die Zukunft aufgezeigt werden. Neben der Festlegung eines Mindestgrenzschutzes stellt sich dabei auch die Frage nach der Höhe von Einzelkulturbeiträgen. Eine Mehrheit der Kommission will dabei höhere Beiträge für den Bio- und IP-Suisse-Anbau und «straft» mit tieferen Beiträgen die Rübenpflanzer, die den konventionellen Anbau betreiben.

Es braucht beides

Die Idee der Mehrheit der Kommission, den Zuckerrübenanbau der Zukunft ökologischer und somit nachhaltiger zu gestalten, ist löblich und wird auch von der Branche nicht bestritten. Den Einzelkulturbeitrag nach Produktionssystem abzustufen wäre jedoch ein Novum und eine Verkomplizierung der agrarpolitischen Instrumente. Besonders ökologische Anbausysteme werden schon heute und zukünftig noch stärker mit den Produktionssystembeiträgen unterstützt und gefördert.

Der Zeitpunkt, das Tempo und die Ausgestaltung der von der WAK-N vorgeschlagenen Massnahmen bergen zudem eine grosse Gefahr für die gesamte Zuckerbranche. Warum? Der Anteil von Bio- und IP-Suisse macht heute gerade mal 19% der gesamten Anbaufläche von gut 16’000 ha aus. Noch baut die Mehrheit der Pflanzer konventionell an, wobei beim Zuckerrübenanbau in der Schweiz «konventionell» mit den Auflagen des ökologischen Nachweises im Vergleich zu Ausland  schon sehr umweltfreundlich  ist.

Vergrämt man diese Pflanzer mit zu geringer Unterstützung, steigen diese gänzlich aus dem Rübengeschäft aus. Der Mengenverlust an Rüben wird dann so gross, dass er auch nicht von Bio- und IP-Suisse aufgefangen werden kann. In der Folge halten die Zuckerfabriken nicht mehr genügend «Rohstoff» um rentabel zu sein. Die Aufgabe der landeseigenen Zuckerproduktion trifft dann in der Folge eben auch jene Pflanzer, die sich auf den Label-Anbau konzentrierten. Am Schluss verlieren alle.

Bliebe noch das Argument, dass der fehlende Zucker ja importiert werden könnte. Das wiederum wäre ein weiterer Schlag ins Gesicht aller Nachhaltigkeitsbemühungen, wird der ausländische Zucker nachweislich 30% weniger nachhaltig produziert als Schweizer Zucker, vom wichtigen Argument der Selbstversorgung des Landes einmal ganz abgesehen.

Befürworter der schnelleren Umstellung auf biologische Anbauweisen bemühen manchmal den Vergleich mit der Elektromobilität – und dieser hinkt auch nicht. Die Entwicklungen dieser Branche sind heute mehr oder weniger marktreif, der Verbrennungsmotor soll schnell verdrängt werden. Das Tempo und die Ausgestaltung der Massnahmen wurden hier eben mit Augenmass vorgenommen. Bei einer zu massiven Abstrafung der Verbrennungsmotoren in den 90er Jahren hätten die ökologischeren Alternativen die Nachfrage nach individueller Mobilität auch nicht auffangen können. (siehe Interview Beitrag Vision Landwirtschaft)

Die Natur mischt sich in die Politik ein

Bleibt die Kontroverse um die Pflanzenschutzmittel. Die Reduktion ist unbestritten und wird heute schon auch im konventionellen Anbau vollzogen und soll weitergeführt werden. Blattläuse und Krankheiten scheren sich leider darum. Unter den heutigen Rahmenbedingungen, sprich PSM-Einsatz und Verbote, leiden die Erträge beim Zuckerrübenbauer. Auch er denkt wirtschaftlich und will rentabel sein – ein Wechsel auf eine krankheits- und wetterresistente Kultur ist denkbar. Noch ist die Forschung nicht soweit, dass mit ausschliesslich Bio- und IP-Suisse-Anbau auf den gleichen Flächen auch eine wirtschaftlich lohnende und ausreichende Rübenmenge produziert werden kann. 

Das Ziel, die gesamte Wertschöpfungskette der Zuckerbranche möglichst naturnah und -schonend zu gestalten haben alle. Übereilte Massnahmen und Hyperaktivismus sind aber fehl am Platz und gefährden schliesslich eine ganze Branche. Bleibt zu hoffen, dass diese Sichtweise auch den Weg ins Parlamentsgebäude findet.

Schweizer Zucker AG

Schweizerischer Verband der Zuckerrübenpflanzer SVZ


3 Kommentare “Zuckerbranche – ökologisch ja, aber das reicht nicht.

  1. Ein gesunder Bauernstand ist mir sehr wichtig. Auch wichtig ist mir jedoch die Gesundheit meiner Kinder, meiner Familie und der Bevölkerung im Allgemeinen, der Natur. Der Einsatz von Pestiziden schadet unserer Gesundheit. Nebst Krebs, Allergien, Hormonstörungen, Organ- und Nervenschäden, Fortpflanzungsstörungen und weiteren Krankheiten, schädigen diese Substanzen auch unser Erbgut. Krankheiten geben wir so an kommende Generationen weiter. Nun frage ich Anbauer von u.a. Zuckerrüben: ist eine Anbaumethode aus Ihrer Sicht länger tragbar, wenn sie solche Schäden an Gesundheit und Umwelt verursachen?
    Die Pestizid-Verbot-Initiative regelt einen Übergang von 10 Jahren. Auch fangen wir bei der Suche von Alternativen NICHT bei Null an. Ich lege am 13. Juni klar ein JA in die Urne. Nicht um jemanden zu schaden, sondern um uns alle vor den Folgen von Pestizideinsätzen zu schützen. Noch zur Anmerkung: es ist nach wie vor nicht geklärt worden (oder vielleicht doch?), wer für Gesundheitsschäden in der Bevölkerung, für Mehrkosten bei der Trinkwasseraufbereitung und im Sanierungsfall – Pestizide bleiben Jahre in der Luft und Jahrzehnte im Boden und Grundwasser – aufkommt. Die Hersteller? Wohl kaum. Jene, welche die Pestizide eingesetzt haben? Wohl auch nicht. So bleibt es also an den Steuerzahlern hängen, welche mit den Folgen schon zu kämpfen haben

    • Lieber Herr Meneguz. Ich gehe mit Ihnen einig, ein gesunder Bauernstand, resp. Bauernbetriebe, die ein Auskommen finden, sind essentiell, um die Bevölkerung zu ernähren. Pflanzenschutzmittel werden seit 2 Generationen verwendet. Am Anfang war man euphorisch, inzwischen weiss man dank neuster Messtechnik sowie Gesundheitsforschung, dass gewisse Wirkstoffe problematisch sind. In letzter Ziet wurden viele Wirkstoffe verboten und Neuzulassungen haben es sehr schwer. Die Zulassung und Anwednung von Pflanzenschutzmittel geschieht nachgesetzlichen Vorgaben und Zulassungskriterien, welche auch politisch abgestützt sind. Verantwortlich sind aus meiner Sicht alle gesellschaftlichen Kräfte, welche die Landwirtschaftspolitik nach bestem Wissen und Gewissen geprägt haben; also wir alle.
      Dass der Pflanzenschutzmitteleinsatz reduziert und die schädlichen Substanzen durch neue Anbaumethoden ersetzt werden müssen, ist inzwischen fast Allen klar. Wichtig ist es gemeinsam mit der Landwirtschaftsbranche Lösungen zu finden, die die Ernährungssicherheit im Auge behalten, eine gesündere Ernährung und den Klimawandel mit berücksichtigen. Das verlangt eine grössere Anstrengung meine ich, als der konventionellen Nahrungsmittelproduktion einfach mal den Stecker zu ziehen.
      Mit freundlichen Grüssen, Ronald Fischer

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