Zuckerrübensetzlinge ab Fliessband



Auf einer Fläche so klein wie ein Wohnzimmer stehen sie: Zehntausende Rübensetzlinge im Treibhaus der Swiss Plant GmbH in Müntschemier BE. Am 23. April 2021 ist bereits ein grosser Teil von ihnen gepflanzt. Der Rest wird in den nächsten Tagen in den Boden kommen. Entweder auf traditionelle Art, mit einem Setzgerät, auf dem Mitarbeiter die Einzeltöpfchen (Speedys) in Schälchen stecken oder mit dem neuen Plant-Tape-Verfahren. Über dieses Verfahren wurde bereits ein Artikel auf dem Agro-Beta-Blog aufgeschaltet. Nun schauen wir noch hinter die Kulissen der Setzlingsproduktion.   

Erstmals werden heuer die Zuckerrübensetzlinge in der Schweiz produziert. Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FibL) hat der Firma Swiss Plant in Müntschemier eine Ausnahmebewilligung zur Produktion von Bio-Setzlingen erteilt. Denn die Pflanzversuche mit Zuckerrüben finden fast alle auf Biobetrieben statt. „In den Saatschalen wachsen Rübenpflänzchen der Bio-Sorte Novelina, die wir mit Bioflüssigdünger düngen“, erklärt Pascal Probst, Verkäufer der Swiss Plant GmbH. Das einzige, was an den Setzlingen nicht „Bio“ sei, sei der Leim, mit dem die Bänder der Plant-Tape-Setzlinge zusammengeklebt sind. Auf diesen Leim hat die Schweizer Firma keinen Einfluss, denn die Pflanzenbänder werden in Spanien hergestellt und mit Saatgut befüllt.

Gesät wird in Spanien

Pascal Probst demonstriert das System an einem noch ungekeimten, trockenen Plateau mit Lauch. Er reisst ein kurzes Stück des Bandes ab, das auf dem Plateau aufliegt. Auf ein kompostierbares Vlies wurden in einer spanischen Fabrik kleine Häufchen aus Kokosfasern gedrückt, in welche je eine Saatgutpille abgelegt wird. Anschliessend wird das Ganze von einem zweiten Band verschlossen und auf die Plateaus gerollt. So befinden sich in einem Kistchen 810 kleine Kokos-Töpfchen im Band mit jeweils einem Saatkorn pro Töpfchen. „Die Plateaus werden komplett trocken von Spanien in die Schweiz gefahren, wo wir sie nach Bedarf wässern und im Keimraum zur Keimung bringen können“, so Probst. Nach dem Keimen kommen die Kistchen ins Treibhaus, wo die Pflanzen mit genügend Licht, Wärme, Wasser und Dünger wachsen können.

Schnelle Pflanzung

Das vor ein paar Jahren aus den USA in die Schweiz eingeführte Plant-Tape-Verfahren hat vor allem bei der Pflanzung einen grossen Vorteil: Die Plant-Tape-Maschine pflanzt die Setzlinge um ein x-faches schneller und ohne viel Personal in den Boden als die herkömmlichen Setzgeräte. „Von unseren rund 80 Millionen Setzlingen, die wir pro Jahr produzieren, sind bereits rund 10 Millionen Plant-Tape-Pflänzchen“, sagt Probst. Und erstmals wuchsen dieses Jahr nebst verschiedenen Gemüsearten auch mehrere Hunderttausend Zuckerrübensetzlinge in Speedy-Töpfchen oder in den Plant-Tapes. Die Setzlinge wurden nach rund 7 Wochen im Treibhaus im 2- bis 4-Blatt-Stadium auf Versuchsfeldern in der ganzen Schweiz ausgepflanzt.

Lohnt sich das?

Ob sich das Pflanzen von Zuckerrüben dereinst im Schweizer Biolandbau etabliert, wird sich zeigen. Noch handelt es sich um Versuche, die allerdings dieses Jahr mit total 60 Hektaren bereits eine beachtliche Fläche erreicht haben. Ob die Landwirte eher auf die traditionellen Speedy-Setzlinge oder das neue Plant-Tape-Verfahren setzen werden, ist ebenfalls offen. Die Kosten für einen Speedy-Setzling oder einen Plant-Tape-Setzling sind mit rund 4 Rp. Pro Stück gleich hoch. Im Kanton Genf hat ein Biobauer in eine 12-Reihige Speedy-Setzmaschine investiert. Um diese zu bedienen braucht es 13 Personen (inkl. Fahrer). Die Plant-Tape-Maschine pflanzt 5-reihig mit 3 Personen. Was die Maschinenmiete kostet, ist der Autorin nicht bekannt. Wie hoch die totalen Kosten pro Verfahren sind, müsste genauer ausgerechnet werden. Entscheidend wird auch sein, wie hoch die Erträge auf diesen Flächen ausfallen und wie viele Arbeitsstunden für die Unkrautbekämpfung eingespart werden können. Sicher ist, dass diesbezüglich in den nächsten Jahren noch interessante Ergebnisse zu erwarten sind.


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