„Zuckersilos sollen endlich wieder einmal überlaufen“



Guido Stäger, Joseph Meyer, Samuel Jenni (von links)

Guido Stäger, Direktor der Schweizer Zucker AG (SZU), gab sich am Informationsanlass Zuckerrüben in Kirchberg BE vom 14. Dezember 2021 betont zuversichtlich. „Die Politik hilft, die internationalen Zuckerpreise steigen und es gibt Hoffnung in der Züchtung“, fasste er zusammen. „Wir sollten nicht immer so negativ über den Rübenanbau sprechen“, appellierte Stäger an die rund 70 anwesenden Zuckerrübenpflanzer und die zwei interessierten, potenziellen Neupflanzer, die der Einladung des Verbandes Schweizerischer Zuckerrübenpflanzer (SVZ) gefolgt sind.

Tatsächlich will die SZU gemäss Branchenvereinbarung nächstes Jahr einen 5 Fr./t höheren Richtpreis pro Tonne A-Rüben bezahlen – also über 10 % mehr als 2021. Trotzdem ist für 2022 noch viel zu wenig Rübenfläche angemeldet.

Der Einzelkulturbeitrag für Zuckerrüben von 2100 Fr./ha ist von der Politik bis 2026 zugesichert, ebenso der Mindestzoll von 7 Fr./dt Zucker. Der internationale Zuckerpreis ist 2021 um rund 100 $ auf 500 $/t angestiegen und es gibt klare Anzeichen dafür, dass man in den nächsten Monaten nicht mit einem grösseren Einbruch rechnen muss. Die Blattläuse und damit die Problematik der virösen Vergilbung hatte man 2021 dank Warnsystem und Insektiziden besser im Griff als 2020. Das zeigt sich auch im durchschnittlichen Zuckergehalt der Kampagne 2021 von 16.8%. Letztes Jahr lag der durchschnittliche Zuckergehalt bei 16,4%.

Der Rübenertrag pro Hektare lag zwar 2021 mit rund 66 t (basierend auf Flächenangaben und Rübenanlieferungen der SZU) etwas tiefer als im Vorjahr mit 73,3 t/ha. Der Grund dafür dürften aber nicht per se schlechtere Durchschnittserträge sein, sondern die deutlich gestiegene Fläche IP-Suisse-Rüben, wo grundsätzlich tiefere Erträge zu erwarten sind.

In Bern und Waadt erst die Hälfte der Flächen angemeldet

Trotz diesen positiven Signalen blickte Peter Imhof, Leiter Rübenmanagement, am Anlass im Saalbau Kirchberg besorgt auf das Anbaujahr 2022: „Es ist noch viel zu wenig Rübenfläche angemeldet!“ Tatsächlich zeigte seine Grafik zu den angemeldeten Rübenflächen per 30.11.21, dass die Fläche in sämtlichen Kantonen kleiner ist als 2020. In den beiden Hauptanbaugebieten Bern und Waadt, die letztes Jahr zusammen fast 7000 Hektaren anbauten – also die Hälfte der gesamten Rüben der Schweiz (!) – sind erst rund halb so viele Hektaren angemeldet.

Offenbar ist nach den beiden schwierigen Rübenjahren 2020 mit der starken Ausbreitung der virösen Vergilbung und 2021 mit Hagel und Überschwemmungen kombiniert mit eher tiefen Rübenpreisen einigen Produzenten die Lust auf den Zuckerrübenanbau vergangen.  „Wir brauchen unbedingt Neupflanzer und die besten Botschafter sind die bestehenden Pflanzer. Motiviert also eure Berufskollegen zum Zuckerrübenanbau!“, forderte Imhof die anwesenden Pflanzer auf.

Forschung läuft auf Hochtouren

„Immerhin standen noch vor 6 Jahren auf 20‘000 Hektaren in der Schweiz Zuckerrüben“, erinnerte Samuel Jenny, Leiter der Schweizerischen Zuckerrübenfachstelle. Diese Flächen seien ja nicht verschwunden, man müsse sie nur zurückgewinnen für den Rübenanbau. Ein Argument dafür lieferte er sogleich mit der Berechnung der Deckungsbeiträge der wichtigsten Ackerkulturen. Dabei weist die Rübe mit über 4000 Fr./ha den höchsten DB auf.

Jenny sprach in seinem Referat auch über aktuelle Herausforderungen im Pflanzenschutz. Es ist zwar so, dass Probleme, wie die viröse Vergilbung oder das SBR-Virus nicht mehr verschwinden werden. Aber es gibt trotzdem Anlass zur Hoffnung: „Derzeit laufen schweizweit über 40 Forschungsprojekte im Bereich Zuckerrübenanbau.“ Ausserdem habe das Bundesamt für Landwirtschaft soeben die drei Insektizide Gazelle, Movento und Teppeki für die Behandlung von Blattläusen in den Zuckerrüben für 2022 zugelassen.

Auch gebe es bereits Sorten, die weniger anfällig auf SBR seien. Generell hat sich die Züchtung den neuen Krankheitsproblemen angenommen und züchtet nicht mehr ausschliesslich auf Ertrag, sondern auch auf Resistenzen. Solche Sorten seien aber frühestens 2025 zu erwarten, stellt Jenny klar.

Der Rübenbau wird weiter extensiviert

Grosse Hoffnung in die Züchtung resistenter Sorten setzt auch Josef Meyer, Präsident des Verbandes Schweizerischer Zuckerrübenpflanzer (SVZ). Denn er ist überzeugt: „Der Zuckerrübenanbau wird sich weiter extensivieren.“ Das sei ein klarer Trend in der Politik und der Bevölkerung. Die Krux dabei: Werden mehr IP-Suisse und Bio-Rüben angebaut, nehmen die Flächenerträge im Durchschnitt noch mehr ab und die Fabrik ist noch weniger ausgelastet.

Dies prangerte ein Rübenpflanzer aus dem Saal an: „Wir konventionellen Pflanzer halten die Fabrik am Laufen, nicht die IP- und  Biopflanzer.“ Guido Stäger nahm dazu Stellung: „Mir sind alle Rübenpflanzer recht. Am liebsten die konventionellen mit hohen Zuckererträgen pro Hektare. Aber wir wissen alle, dass IP und Bio im Trend sind.“ Der Konsument müsse einfach die Mehrkosten bezahlen, die bei der Produktion und Verarbeitung von Labelrüben entstehen.

Fabrik braucht unbedingt mehr Rüben

Die Botschaft des Abends ist klar: Jeder Rübenproduzent ist aufgefordert, mitzuhelfen bei der Gewinnung von Neupflanzern. Der drastische Flächenrückgang muss unbedingt umgekehrt werden, sonst gibt es in wenigen Jahren keinen Zuckerrübenanbau in der Schweiz mehr. Oder wie es Samuel Jenny als Schlusswort ausdrückte: „Wir wollen endlich wieder einmal ein Super-Zuckerjahr wie 2014 erleben und Guidos Zuckersilos zum Überlaufen bringen!“


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